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23.5.2013 : 11:43 : +0200

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Ulrich Pfeiffer
Hat 35 Jahre in Stuttgart gelebt, ist Energieberater und Verkehrsplaner und ein Pionier für eine neue Fahrkultur in Zeiten des Klimawandels, er hat mit seinem Team 40000 Autofahrer erfolgreich im Eco-Fahrtraining geschult.

Ulrich Pfeiffer

Stuttgart 21 ist ein Großprojekt der Vergangenheit. Bis 2006 war auch ich geblendet von der PR mit den grandiosen verkehrlichen Perspektiven des Projekt - bis ich erstmals „Kopfbahnhof 21“ vom VCD und BUND gründlich studierte. Dann sind mir die Augen aufgegangen. Alle Verheißungen von Stuttgart 21 werden mit Kopf 21 besser, rascher, gründlicher, günstiger erreicht und können vor allem in modifizierbaren und überschaubaren Abschnitten durchgeführt werden. Auf meine bohrenden Fragen gaben mir die verantwortlicher Planer von Stuttgart 21 keine zufriedenstellende Antworten. Vielmehr wurden Dialoge (von gekauften Gutachtern) jäh abgebrochen. Die gewünschten Antworten bekam ich dann in der Schweiz von der SBB, wo mit „Bahn 2000“ ein ganzes Land zum S-Bahnnetz ausgebaut wurde zu den Kosten von Stuttgart 21 plus Schnellbahnstrecke. Die Zauberworte für doppelt so viele Fahrgäste, halb so viel staatliche Zuschüsse wie in Deutschland und für ein funktionierendes Bahnsystem sind: Nicht so schnell wie möglich, sondern so schnell wie nötig, ein überall funktionierender integraler Taktfahrplan und Volksbefragungen für wichtige Projekte. In Zürich wurde ein Kopfbahnhof unter vollem Betrieb umgebaut und modernisiert. Dies ist auch in Stuttgart möglich.

Stuttgart 21 wird im totalitären Geist vorangetrieben. Selbst in meiner Partei, der SPD, hört man sich andere Meinungen zwar an und bedauert dann, dass die Entscheidungen eigentlich schon längst gefallen seien. Über 60 000 Stuttgarter Bürger fordern eine Bürgerentscheid über dieses Projekt. Wir werden ausdauernd und fantasievoll für den Sieg der Vernunft kämpfen, bis die Stuttgart 21-Fans die Lust am Bauen verlieren werden.

Die einst geplante Teststrecke von Daimler in Boxberg sollte eine Mahnung sein. Trotz aller Vernunft wollten die Daimler AG und die Landesregierung eine 6000 ha große Fläche fruchtbarsten Ackerbodens gegen den erbitterten Widerstand der Bevölkerung und des Bundschuh zubetonieren. Meine Vermittlungsversuche zwischen den Kontrahenten wurden nicht ernst genommen. Dann stoppte schließlich das Bundesverwaltungsgericht diesen Wahnsinn. Heute gibt es dort ein modernes und gutes Testzentrum der Firma Bosch –auf einem Zehntel der ursprünglich geplanten Fläche.