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Erneuter Wortbruch der Deutschen Bahn AG

Verlässlicher S-Bahn-Verkehr wird für Stuttgart 21 geopfert

Man erinnert sich: 2023 hatte die Bahn nach elfwöchiger Sperrung zwischen Bad Cannstatt und Waiblingen versprochen, zu weiteren Vollsperrungen im Landkreis werde es nicht mehr kommen. Nicht zum ersten Mal bricht sie dieses Versprechen. Neben häufigen kurzen Sperrungen ist für die S3 schon wieder eine Vollsperrung vom 21. November bis 1. Dezember 2025 angekündigt.

Die Waiblinger Kreiszeitung bringt es auf den Punkt: Unter der Überschrift „Dauer-Bahnchaos Rems-Murr“ listet sie die Grausamkeiten auf, welche in den nächsten Jahren die Bahnreisenden nicht nur im Landkreis Rems-Murr, sondern in der gesamten Region erwarten. Sie kommt zum Ergebnis, der Deutschen Bahn sei „das Großprojekt Digitalisierung des Bahnknotens Stuttgart endgültig aus dem Ruder gelaufen“. Die DB agiere „kurzatmig bei den Baustellen im Bestand.“

Wie auch das Aktionsbündnis moniert die Zeitung den unverzüglichen zweigleisigen Ausbau der Murrbahn und zitiert Matthias Lieb, den hauptamtlicher Qualitätsanwalt der Fahrgäste in Baden-Württemberg: Die Remsbahn sei „infrastrukturtechnisch kurz vor Entwicklungsland“.

Da reibt man sich verwundert die Augen, wenn Daniel Deubel, künftig beim Verband Region Stuttgart für den S-Bahn-Verkehr verantwortlich, vollmundig trotz dessen seit Jahren andauernden Niedergangs verkündet: „Mobilität ist das Fundament unserer wirtschaftlichen Stärke und unserer Lebensqualität. Die S-Bahn ist das Herzstück. Qualität und Pünktlichkeit müssen oberste Priorität haben.“

Denn zuletzt auf der Fahrplankonferenz des Verbandes war das Gegenteil zu hören. Jürgen Wurmthaler, Vorgänger Deubels und Mitverantwortlicher für den Niedergang der S-Bahn, schockte mit der Liste von zum Teil monatelangen Sperrungen in den nächsten Jahren. Demnach wird nichts besser, sondern alles noch schlechter. Zum Trost fügte er an, hätte die Taskforce des Lenkungskreises zu Stuttgart 21 die Sperrungen und Ausfälle im S-Bahn-Netz nicht auf zwei Jahre gestreckt, wäre alles noch viel schlimmer gekommen.

Dazu Dieter Reicherter, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21: „Es ist unfassbar, wie gottergeben die Verantwortlichen des Verbandes die Kapriolen der Deutschen Bahn hinnehmen. Aus Kumpanei mit den Verfechtern des Projekts Stuttgart 21, das für einen Großteil der Einschränkungen verantwortlich ist, verdrängen sie, dass die Bahn für die Menschen da ist und nicht die Menschen für die Bahn. Dabei müsste gelten: Wer bestellt und bezahlt, der bestimmt. Denn die Deutsche Bahn betreibt die S-Bahn im Auftrag des Verbandes Region Stuttgart und haftet für Schlechtleistung.“

Klaus Riedel vom Bündnis Waiblingen gegen Stuttgart 21 ergänzt: „Kundinnen und Kunden der S-Bahn sollten sich nicht alles gefallen lassen. Ich rufe dazu auf, im Rahmen der VVS-Mobilitätsgarantie (https://www.vvs.de/hilfe-faq/mobilitaetsgarantie) Entschädigungen einzufordern und von der Möglichkeit Gebrauch zu machen, auf Kosten des VVS mit dem Taxi zu fahren.,

Dieter Reicherter fordert, einen Teil der monatlichen Kosten des Abonnements an die Kund:innen zurück zu erstatten: „Die Region erfüllt ihre Pflichten aus den Abonnementverträgen nicht. Wer eine Zeitung abonniert und diese nur jeden zweiten Tag erhält, muss auch nicht den vollen Preis bezahlen. Nichts anderes kann gelten, wenn die S-Bahnen ständig ausfallen oder verspätet sind und der Takt stillschweigend von 15 auf 30 Minuten erhöht wurde.“

Kontakt:
Dieter Reicherter, 07192 930 522 oder 0151 263 711 31
Klaus Riedel, 07151 23234