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Vor der Sitzung des Stuttgart21-Lenkungskreises

Umlenken statt Kopf in den Sand

Als Höhepunkt der S21-Absurditäten bezeichnet Bündnissprecher Dieter Reicherter die Planung einer
weiteren S-Bahn-Stammstreckensperrung im Sommer 2026, während zuvor schon die Gäubahn vom
Hauptbahnhof endgültig abgekoppelt werden soll. Das sich daraus erge bende Szenario hatte zu
erheblichem Unmut selbst in den Reihen der S21-Treuen im Regionalparlament geführt. Die ohnehin
verärgerten Oberbürgermeister der Städte entlang der Gäubahn sehen sich „verschaukelt“, was „noch
milde ausgedrückt sei“, und konstatieren „eine verkehrspolitische Bankrotterklärung“ der
verantwortlichen Politik, so eine Erklärung von acht betroffenen Oberbürgermeistern verschiedener
Parteien entlang der Strecke.

Angesichts dieses Drucks wird der Lenkungskreis nicht umhinkommen, sich von der jetzigen Planung
zu verabschieden und eine Verschiebung der Gäubahnkappung zumindest auf Ende 2026 einzuleiten.
„Dies wäre ein Stück Realitätssinn, würde die Probleme aber nicht lösen, sondern nur verschieben“, so
Reicherter. Oder in den Worten der acht Oberbürgermeister: „Egal, was uns jetzt demnächst wieder als
sogenannte Übergangslösung aufgetischt wird – das glaubt kein Mensch mehr.“

Die ganze S21-Projektplanung darf sich nicht von ihrer Scheinwelt aus Lichtaugen und Kelchstützen
blenden lassen, sondern muss auf den Boden der Realität zurückkehren. Dazu gehört die Einsicht, dass
der Kopfbahnhof auf Dauer erhalten bleiben muss, weil nicht reparable Kapazitätsdefizite, unwirksamer
Brandschutz und eine noch lange fehlende Gesamtausstattung mit ETCS eine funktionsgerechte
Inbetriebnahme von Stuttgart21 unmöglich machen werden.

Der Kopfbahnhof kann und wird oben bleiben,

  • weil eine Rosensteinbebauung zur Fata Morgana geworden ist, weil die Neufassung des Allgemeinen Eisenbahngesetzes eine Entwidmung der Gleisfläche ausschließt
  • weil allein schon die Erschließungskosten die Stadt heillos überfordern würden
  • weil durch die Planung Personalressourcen gebunden und andere Projekte kannibalisiert werden
  • weil die schwerwiegenden Folgen für das Stadtklima eine Bebauung gar nicht zulassen.

Abschied genommen werden muss auch von der Behauptung, Tunnelbau im Anhydrit sei beherrschbar.
Ausgerechnet der S21-Referenztunnel Freudenstein, der wie alle S21-Tunnel durch Anhydrit führt, ist
wegen quellenden Gebirges derzeit gesperrt und muss mit Millionenaufwand repariert werden. Der
Bahnverkehr ist massiv beeinträchtigt. Zurück auf den Boden der Realität muss es auch heißen bei den
geplanten weiteren 40 km Tunneln, darunter der Pfaffensteigtunnel zwischen Böblingen und Flughafen,
mit fast 12 km der längste Eisenbahntunnel Deutschlands. Nur Traumtänzer hoffen trotz der finanzpolitischen
Großwetterlage immer noch auf eine Finanzierung aus Bundesmitteln.

Wenn die Zeiten sich dramatisch ändern und von allen Änderungsbereitschaft gefordert wird, kann mit
Stuttgart21 nicht weitergemacht wären, als gäbe es diese neuen Realitäten nicht. Der Lenkungskreis
muss sich selbstkritisch einer Gesamtrevision auf Basis der Realitäten stellen.
Mit der Forderung „Keine Gäubahnkappung – nicht Mai `26, nicht Ende `26 – GAR NICHT!“
werden sich Protestierende vor der Pressekonferenz des Lenkungskreises am Montag, dem 19. Mai, ab
12.30h, vor dem Stuttgarter Rathaus treffen.

Kontakt: Dieter Reicherter: 07192 930522 oder 0151 263 711 31, Werner Sauerborn: 0171 320 9801