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S21-Lenkungskreis: Ausreden, Intransparenz und weitere leere Versprechungen

„Als Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet“, so bewertet Bündnissprecher Dieter Reicherter die Rolle von Bahnchefin Palla nach ihren Aussagen auf der gestrigen Pressekonferenz des S21-Lenkungskreises. Versprochen war maximale Aufklärung und Transparenz, kein Stein würde auf dem anderen bleiben. Geliefert wurde ein Blumenstrauß von Versprechungen, durch nichts hinterlegt außer der Erwartung, man solle diesmal den Zusagen glauben. Man hätte sich fast den Auftritt sparen und stattdessen eine Aufzeichnung früherer Pressekonferenzen zu Verschiebungen vorführen können.

Statt der groß angekündigten Transparenz wieder die alte Geheimniskrämerei: Der Bericht der Konzernrevision, auf dem der mit einigem Pathos verkündete angebliche Paradigmenwechsel beruht, wird nicht öffentlich gemacht. Sogar den Projektpartnern wird er vorenthalten, was diese treu ergeben hinnehmen. Ohnehin bezog sich der Auftrag der Kommission nur auf Fragen der Planung, des Managements und der Kontrolle des Projekts, aber nicht auf die Systemrisiken von Stuttgart21. Entscheidende Fragen, von denen selbst eine (Teil-)Inbetriebnahme abhängt, wurden nicht gestellt und nicht beantwortet – wie die Fragen nach dem fehlenden Brandschutz, nach den Sicherheitsrisiken bei extrem überhöhter Gleisneigung, nach den Überflutungsgefahren bei Starkregen oder nach Resilienzabsicherungen bei Störungen. Auch die Frage nach den Kosten eines unbeirrten Weitermachens wurde mit gemutmaßten 3 Milliarden nur vage beantwortet.

Für gelöste Stimmung in der Lenkungskreisrunde sorgte, dass Frau Palla alle Schuld auf sich genommen hat. Genauer gesagt hat sie die Verantwortung von der Bahnspitze verschoben auf das bisherige Projekt-management, das sich teils schon in Richtung der vorher von ihm beauftragten Firmen verabschiedet hat. Frau Palla, erst seit kurzem im Amt, trägt keine Verantwortung für das bisher angerichtete Chaos – mit ihrem „vollumfänglichen“ Bekenntnis zu S21 incl. Pfaffensteigtunnel allerdings für alle absehbaren Hiobs-meldungen dieses nun fortgesetzten Albtraums. Die Landesregierung, also MP Özdemir und Verkehrs-ministerin Razavi, und Stuttgarts OB Nopper sehen sich als Opfer der Bahn. Dabei sind gerade sie es, die mit sturem Festhalten am längst gescheiterten Projekt die Bahn immer tiefer in das Debakel und ihre Über-schuldung hineintreiben. Selbst die von einigen Seiten vorgeschlagene Kombilösung wurde barsch abgelehnt. Der Instandhaltungsbedarf des Kopfbahnhofs für die nächste Jahre seines sicheren Weiterbestehens wurde mit allgemeinen Plattitüden über die Sicherheitsstandards der Bahn abserviert. Wie in einem Stück aus dem Schmierentheater wurde die Zumutung, dass Reisende noch weitere 1 ½ Jahre wertvolle Lebenszeit auf den Fernwanderwegen verbringen sollen, als Teil der neuen Rücksichtnahme auf ihre Interessen verkauft.

Die Projektpartner waren nach der Sitzung sichtlich erleichtert, sich für die nächsten Jahre erneut einen Freifahrschein für weitere Milliarden Geldverschwendung und weitere Jahre Stadtzerstörung ausgestellt zu haben. MP Özdemir kann sicher sein, „dass man (weiter) über uns lacht“, und OB Nopper, dass der Name seiner Stadt „mit einem nicht enden wollenden Jahrhundertprojekt in Verbindung gebracht wird“.

Bei einer Pressekonferenz im Juni 2031 zur erneuten Verschiebung werde dann eine neue Bahnchef*in verkünden, so Reicherter, „dass man jetzt einen neuen Plan und alles im Griff habe. Der neue Ministerpräsident wird das beste und digitalste Projekt weltweit verlangen und der neue Stuttgarter OB wird androhen, bei weiteren Verzögerungen werde er ungemütlich. Die nicht mehr im Landtag vertretene SPD wird ein Grußwort übersenden, dass man an die Bahn glaube und Gottes Segen auf dem Projekt ruhe.“

„Ihr werdet uns nicht los, …“ wird nach dieser Lenkungskreissitzung ein gern zitierter Slogan auch der 811. Montagsdemos und der nachfolgenden Veranstaltung im Gewerkschaftshaus sein. Es geht um die zunehmende Absurdität dieser Milliarden für ein sinnloses Projekt in Zeiten drastischer Spar- und Sozialabbaumaßnahmen: https://www.bei-abriss-aufstand.de/2026/06/24/811-montagsdemo-am-29-06-26-auf-dem-schlossplatz/

Kontakt: Dieter Reicherter: 07192 930522 oder 0151 26371131, Werner Sauerborn: 0171 320 9801