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Lenkungskreis macht erneute Verschiebung der Stuttgart 21-Inbetriebnahme öffentlich
Nach der Verschiebung ist vor der Verschiebung
Wie bei jeder Termin-Verschiebung in der Vergangenheit schwören auch dieses Mal Bahn und Lenkungskreis, dass diese nun aber die definitiv letzte sei. Martin Poguntke, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen S21: „Aus welchem Grund sollte das dieses Mal anders sein? Allein die Implementierung von ETCS ist derart komplex und seine Finanzierung derart volatil, dass alle Zusagen reine Spekulation sind und lediglich zur Beruhigung der Menschen dienen.“
Das einzig Sichere ist: Der Tiefbahnhof wird auch 2026 nicht wirklich in Betrieb gehen. Die „Gäubahn“, die internationale Verbindung Zürich–Stuttgart–Berlin, wird auch im kommenden Jahr nicht im Vorort Vaihingen enden. Der Kopfbahnhof wird noch auf eine unbekannte Zahl von Jahren hinaus in Betrieb bleiben – und weiterhin selbst im aktuellen Zustand erheblich mehr leisten als der Tiefbahnhof je können wird.
„Es ist jetzt genug gebaut und damit genug Geld in die Bauwirtschaft geleitet worden“, so Po-guntke weiter, „jetzt muss es endlich wieder darum gehen, den Bahnverkehr mit zukunftsträchtiger Infrastruktur auszustatten – nämlich einem hoch leistungsfähigen und attraktiven, modernisierten Kopfbahnhof –, statt ihn der Stuttgarter Immobilienwirtschaft zu opfern und durch eine Bebauung der Gleisflächen und der einzigen Frischluftschneise dem Stadtklima nicht wiedergutzumachenden Schaden zuzufügen.“
Immerhin ist durch die neueste Terminverschiebung dem Widerstand gegen das Projekt und zur Rettung des baden-württembergischen Bahnverkehrs erneut Zeit geschenkt worden. Diese Zeit wird die Bewegung nutzen, um mit dem vor wenigen Tagen gestarteten Bürgerbegehren gegen die Gleisbebauung und mit den politischen Aktivitäten zur Rettung der Gäubahn auf ein Ende ohne Schrecken, statt einem Schrecken ohne Ende zuzuarbeiten.
Und der Chancen bieten sich noch viele. Denn zieht man die Vielzahl der ungelösten – und in überschaubarer Zeit unlösbaren – Probleme in Betracht (den mangelhaften Brandschutz, die fehlende Finanzierung für Pfaffensteig- und Nordzulauftunnel, das Problem, dass im Tiefbahnhof entweder zu wenig Fahrgäste befördert werden oder – für die verdoppelte Zahl – die Treppen und Aufzüge zu klein sind), dann ist für das viel zu komplexe Projekt eine erneute Verschiebung in nicht allzu großer Ferne.
