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S21-Inbetriebnahme 2030, 2031, 2033! oder: 2036, 2038, nie?

„Mit Enttäuschung und Empörung konnte eigentlich nur reagieren, wer jahrelang die Augen vor den offen zu Tage liegenden Fakten und der Kritik der S21-Kritiker*innen hartnäckig verschlossen hat“, so Bündnissprecher Martin Poguntke zu den durchgesickerten Informationen zu einer erneuten Terminverschiebung der S21-Eröffnung. Nach einer Kaskade von Teileröffnungsschritten legt sich Bahnchefin Evelyn Palla nun offenbar auf eine finale Fertigstellung inklusive des systemnotwendigen Pfaffensteigtunnels auf Dezember 2033 fest.

Es ist allerdings schwer vorstellbar, dass der noch nicht bekannte Bericht der Konzernrevision außer Schuldzuweisungen an die verantwortliche S21-Projektgesellschaft PSU auch belastbare Vorschläge enthält zur Lösung des ETCS-Chaos, des völlig fehlenden Brandschutzes, der auch bei einer Teilinbetriebnahme nachgewiesen sein muss, und zu den Risiken der Überflutungen oder wegrollender Züge angesichts der unzulässig überhöhten Gleisneigung im Tiefbahnhof.

„Palla riskiert ihren guten Ruf, wenn sie sich von der Politik auf kaum begründbare Eröffnungstermine festlegen lässt“, so Poguntke weiter. Zu denken geben sollte Palla auch, dass selbst Christian Milankovic, der S21-Experte der Stuttgarter Zeitung, der nie einen grundsätzlichen Zweifel an S21 aufkommen ließ, nun fragt, warum ausgerechnet diese Terminfestlegung jetzt belastbar sein soll – und gleich noch einen weiteren „Tabubruch“ nachschiebt, in dem er den Stuttgarter Gemeinderat auffordert ihre Immobilienpläne „noch einmal kritisch zu überdenken“, wegen der hohen Kosten für die Stadt und wohl auch, weil der Kopfbahnhof dauerhaft noch gebraucht werden dürfte.

Das Aktionsbündnis teilt die Sorge von OB Nopper, dass Stuttgart21 das Renommee der Stadt ruiniere (BILD nennt S21 einen „lost place“ und „großen Flop“). Daran hat allerdings nicht allein die Bahn die Schuld, sondern er und seine Projektpartner in viel höherem Maße, denn sie waren es, die ein ständiges Weiter so gefordert haben, trotz früh erkennbarer Grundsatzprobleme. Sie müssen sich deshalb auf einen langjährigen, wenn nicht endgültigen Weiterbetrieb des Kopfbahnhofs einstellen und die hierfür überfälligen Pläne und Investitionen angehen, statt weiter Ressourcen in das Wolkenkuckucksheim Rosensteinbebauung zu verschwenden. In Stuttgart gibt es viele Chancen, für sinnvolleren und klimagerechten Wohnungsbau – gerne bieten die S21-Kritiker*innen Beratung dazu an.

Das Aktionsbündnis erwartet jetzt endlich ein tabuloses Ehrlichmachen:

  • von der DB-Aufsichtsratssitzung am 24. oder 25. Juni
  • von der Sitzung des Verkehrsausschusses am 24. 6., zu der die Vertreter der Koalition zu einem TO „verschobene Fertigstellung von Stuttgart 21“ Frau Palla eingeladen haben, was darauf hinweist, dass auf Bundesebene langsam der Geduldsfaden reißt angesichts zu erwartender weiterer Milliardenkosten bei riesigen Haushaltsdefiziten bei Bund und Bahn.
  • Insbesondere erwarten wir Klartext bei der für den 26. Juni terminierten Sitzung des Lenkungskreises in Stuttgart. Hierzu ist eine Protestveranstaltung geplant.

Weitere Aufschlüsse werden auch zu erwarten sein von der SWR- Dokumentation „Stuttgart 21 – verplant, verbaut, verschoben“ von Frieder Kümmerer am Donnerstag, 11.6. 21 h

Kontakt:   Martin Poguntke, 0151 403 602 56, Werner Sauerborn, 0171 320 980 1