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Stationsmodernisierung ohne Anspruch – Barrierefreiheit und Lärmschutz bleiben auf der Strecke

Berlin/Hamburg, 29. September 2025 – Im Zuge der Korridorsanierung zwischen Berlin und Hamburg sollen
auch Bahnhöfe und Haltepunkte entlang der Strecke modernisiert werden. Was die DB als Verbesserung der
Aufenthaltsqualität verkauft, sind nur Nachrüstungen auf einen Minimalstandard. Die größeren Bahnhöfe auf
dieser Strecke (Ludwigslust, Wittenberge und Nauen wurden erst vor wenigen Jahren modernisiert, da gibt
es außer dem Einbau von Aufzügen im Bahnhof Ludwigslust nicht mehr viel zu tun. Die Bahnhofsgebäude hat
die DB schon vor mehr als 10 Jahren an windige Investoren verscherbelt, die die architektonisch einstmals
schönen Gebäude haben vergammeln lassen. Eine notwendige Ausrüstung des Umsteigebahnhofs Büchen mit
Bahnsteigdächern, die ein trockenes Ein- und Aussteigen ermöglichen würden, ist nicht vorgesehen.

Ebenso lassen die bisherigen Planungen für die Nahverkehrshaltepunkte an der Strecke eine zentrale Anforderung vermissen: Durchfahrtgleise, damit die haltenden Nahverkehrszüge überholt werden können. Auch
bieten manche Streckenabschnitte noch Nachbesserungspotential beim Lärmschutz. Für das Aufstellen von
Fahrradständern und Wartehäuschen ist keine Streckensperrung erforderlich. Insgesamt ist die „Generalsanierung“ eine verpasste Chance für eine zukunftsfähige Infrastruktur.

Bahnhof ohne Überholmöglichkeit = Engpass im Betrieb

Viele Bahnhöfe entlang der Strecke verfügen über keine oder nur eingeschränkte Überholmöglichkeiten.
Gerade im Mischbetrieb von Fern-, Regional- und Güterverkehr sind solche Kapazitäten entscheidend für die
Betriebsqualität. Eine Sanierung ohne funktionale Erweiterung ist Flickwerk – und kein Beitrag zur Leistungssteigerung.

Barrierefreiheit = Grundvoraussetzung, kein Luxus

Noch immer sind zahlreiche Stationen nicht vollständig barrierefrei. Fehlende Aufzüge, unzureichende Bahnsteighöhen und mangelhafte Orientierungshilfen erschweren den Zugang für mobilitätseingeschränkte Menschen, Familien und ältere Fahrgäste. Eine moderne Bahn muss für alle zugänglich sein – ohne Ausnahme.

Sanierung „unterm rollenden Rad“ – Vorbild Schweiz

Wir fordern eine grundlegende Änderung der Sanierungsstrategie: Statt monatelanger Totalsperrungen
muss die Sanierung „unterm rollenden Rad“ erfolgen – wie es in der Schweiz seit Jahren erfolgreich
praktiziert wird. Dieses Verfahren ermöglicht Bauarbeiten bei laufendem Betrieb und reduziert die Belastung
für tausende Pendlerinnen und Pendler, die täglich auf die Strecke angewiesen sind.

Appell an die Verantwortlichen

Es stellt sich die Frage, warum zentrale Anforderungen wie Barrierefreiheit, Lärmschutz und betriebliche
Funktionalität nicht konsequent mitgedacht werden. Wir appellieren an die DB InfraGO AG und das Bundesverkehrsministerium, die Stationsmodernisierung ganzheitlich zu planen. Zukunftsfähige Mobilität beginnt
am Bahnhof – und muss dort für alle erlebbar sein.