Hier der Artikel, in dem der Chef von Haus & Grund entsprechend zitiert wird:
Sehr geehrter Herr Wecker,
als Mitglied von Haus und Grund Stuttgart weise ich Ihr Attribut „Ewiggestrige“ im eingescannten Foto Ihres o.g. Beitrags empört zurück! Dieses Attribut für Fachleute des Eisenbahnwesens und des Städtebaus – zu beiden darf ich mich qua Studium und Berufserfahrung bescheiden zählen – ist eine unverschämte Herabwürdigung mit zudem beleidigender Wortwahl. Diese ist des Geschäftsführers von Haus und Grund, zugleich Chefredakteurs der Monatszeitung unwürdig!
Die Bebauung der Gleisflächen des heutigen Kopfbahnhofs ist ausgeschlossen, weil für einen funktionierenden Bahnknoten der Erhalt oberirdischer Gleise unverzichtbar und hier geradezu essentiell ist. Alle anderslautenden Aussagen der Deutschen Bahn sind Falschbehauptungen wider besseres Wissen. Daran wird auch die ständig verherrlichte Digitalisierung des unterdimensionierten Tief-/Schiefbahnhöfchens nichts Wesentliches ändern! Die nur 8 Gleise dieses Tief-Haltepunkts reichen noch nicht einmal für den heutigen Fahrplan vergleichbar mit der heutigen Betriebsqualität.! Ganz zu schweigen von der über alle Parteien konsensualen Verdoppelung der Bahnnachfrage ab 2030. Derzeit stehen 11,8 Milliarden Kosten für einen erwiesen schlechteren Bahnhof im Raum! Mit den beiden Wahnsinnstunneln „Pfaffensteig“ und „Nordzulauf“, welche eine bahnbetrieblich völlig nutzlose Verschlimmbesserung der größten Fehlplanung deutscher Eisenbahngeschichte sind, schlägt das Gesamtprojekt mit bis zu 20 Milliarden zu Buche! Mit dann übrigens sage und schreibe 104 km eingleisigen Tunnelröhren; welch ein brandgefährlicher Wahnsinn!
Das Städtebauprojekt selbst ist – wie jedermann unschwer den veröffentlichten Daten des Städtebaulichen Rahmenplans „Rosenstein“ entnehmen kann – am Bedarf vorbeigeplant. Bezahlbarer Wohnraum wird dort nie entstehen (können); allein die Bereitstellung der Bauflächen, zuvor die Altlastenbereinigung und danach die innere Infrastruktur und die öffentlichen Gebäude der drei Quartiere fallen der Stadt Stuttgart pekuniär böse auf die Füße. Die Stadt gefährdet womöglich sogar auf Jahrzehnte ihre finanzielle Zukunft. Dies auch vor dem Hintergrund der extremen Einnahmeausfälle bei der Gewerbesteuer.
Die Stadt hätte nach erheblich haushaltswirksamer Rückabwicklung des Grundstückserwerbs an die Deutschen Bahn – erstens – genügend Mittel, um endlich die Gewerbe- und Industriebrachen für stadtverträglichen Wohnungsbau zu aktivieren. Sie würde – zweitens – nicht derartige Haushaltsrisiken eingehen, wie durch dieses Fehlprojekt. Dies übrigens auch an den falschen Stellen aus stadtklimatischer Sicht! Wirklich bezahlbarer Wohnraum kann auch viel schneller durch die zurzeit rund 11.000 leerstehenden Wohnungen in Stuttgart entstehen. „Man“ müsste sich „halt“ mal endlich dieses Missstands annehmen!
Bitte nehmen Sie auch zur Kenntnis, dass nicht nur eine ausreichende Anzahl bezahlbarer Wohnungen (wobei ich Ihnen zustimme) einen Standortvorteil generieren, sondern ebenso ein funktionierender Bahnknoten! Letzteres scheitert mit der derzeitigen Planung krachend, wenn nicht der Kopfbahnhof – oder mindestens 10 oberirdische Gleise – sowie die „Panoramastrecke“ nach Sanierung und Modernisierung zusätzlich zum Tiefbahnhof erhalten bleiben. Diese Sanierung – z.B. aus dem Sonderfonds „Infrastruktur“ des Bundes – spart dem Kernhaushalt des Bundes durch Verzicht auf die beiden überflüssigen Tunnel bis zu 7 Milliarden Euro und würde den Sonderfonds „nur“ mit 1,5 bis höchstens 1,8 Mrd. belasten, ist also wesentlich kostengünstiger! Und – Stuttgart bekäme einen bestens funktionierenden und vor allem zukunftstauglichen Bahnknoten. Schließlich müsste die für den gesamten Süden Baden-Württembergs und die Verbindung nach Zürich so eminent wichtige Gäubahn nicht indiskutabel in Vaihingen für 7 Jahre (laut Bahn; aus schierer fachlicher Überzeugung eher bis zu 10 Jahre!) unterbrochen werden.
Es zeigt sich immer wieder aufs Neue, das die gesamte Fehlplanung „Stuttgart 21“ in Wahrheit ein Projekt der Immobilienspekulation ist, für das ein – selbst heute mit dem sanierungsbedürftigen Hauptbahnhof – noch gut funktionierender Bahnbetrieb rücksichtslos geopfert wird.
Für Rückfragen, gerne anlässlich eines persönlichen Gesprächstermins, stehe ich Ihnen, zusammen mit dem juristisch erfahrenen Mitstreiter Dieter Reicherter, Vorsitzender Richter am Landgericht a.D., jederzeit zur Verfügung. Gerne auch gemeinsam mit den von Ihnen genannten „Gleichgesinnten“ (IHK, Mieterverein, Bauwirtschaft etc.).
Mit freundlichen Grüßen
Frank Distel
