(hier dieser Offene Brief als pdf-Datei)
Ihre Forderungen an die Ressorts, Einsparvorschläge für die kommenden Kernhaus-halte des Bundes zu unterbreiten.
Hier: Ergänzungsmaßnahmen zum Projekt „Stuttgart 21“
Sehr geehrter Herr Bundesminister Klingbeil,
Sie haben im Rahmen der Beratungen für die Kernhaushalte 2026 und ff. alle Ressorts aufgefordert, Einsparvorschläge zu unterbreiten.
Wir, die Vertreter des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 und der Schutzgemeinschaft Filder e.V., anerkannter Umweltfachverband, sind buchstäblich entsetzt, dass der Bund entgegen unserer fachbegründeten Bemühungen beabsichtigt, den bahnbetrieblich vollkommen unsinnigen Pfaffensteigtunnel zu finanzieren. Diese absurdeste Fehlplanung deutscher Eisenbahngeschichte schreibt die – ebenfalls am bahnbetrieblichen Bedarf vorbeigehende – Fehlplanung „Stuttgart 21“ verhängnisvoll fort. Im Einzelnen verweise ich auf den anhängenden Brief des Aktionsbündnisses und der Schutzgemeinschaft an Bundesminister Schnieder vom 21.08.2025.
Beachtlich ist dabei unser Vorschlag eines Paradigmenwechsels bei der Finanzierung von „Stuttgart 21“ wie folgt:
Der Bund möge die Kosten des sog. „Pfaffensteigtunnels“ sowie des ebenfalls vom Bund zu finanzierenden sog. „Nordzulauftunnels“ in Höhe von insgesamt mindestens 5 bis 6 Milliarden Euro im maroden Kernhaushalt einsparen. Stattdessen möge der Bund die heute bestehende Trasse der Gäubahn Zürich–Singen–Stuttgart über die sog. „Panoramastrecke“ sowie die oberirdischen Gleise des Kopfbahnhofs aus dem Sonderfonds „Infrastruktur“ für höchstens 1,8 Milliarden Euro sanieren und modernisieren. Zudem ist für den reibungslosen Bahnbetrieb zwischen Stuttgart und der Schweiz im Sinne bereits früher abgeschlossener bilateraler Verträge zwischen der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland (u.a. der Vertrag von Lugano) der durchgehende zweigleisige Ausbau der Gäubahn weit vordringlicher als dieser sinnlose Tunnel.
Diese Weichenstellung für einen leistungsfähigen und zukunftssicheren Bahnknoten Stuttgart erfolgt vor dem Hintergrund des ohnehin zwingenden Erhalts von mindestens zehn
oberirdischen Gleisen, nachdem die mangelhafte Leistungsfähigkeit des neuen Tiefbahnhofs „Stuttgart 21“ bahnfachlich außer Frage steht. Dies gilt ausdrücklich auch im Lichte der Digitalisierung des Bahnknotens mit ETCS! Rechtlich steht damit fest, dass auf Grundlage des § 23 AEG die oberirdischen Gleise des heutigen Kopfbahnhofs keinesfalls für ein – im Übrigen am Bedarf vorbei geplantes – Immobilienprojekt der Stadt Stuttgart stillgelegt und beseitigt werden dürfen.
Nach alledem ist ohnehin eine Neuverhandlung des „Finanzierungsvertrags Stuttgart 21 vom 30. März 2009“ unter allen Projektbeteiligten unerlässlich.
Werden der völlig unnötige „Pfaffensteigtunnel“ und darauffolgend auch der „Nordzulauftunnel“ dagegen auf – vergeudete! – Kosten des Bundes gebaut und die Gleise des Kopfbahnhofs auf Dauer beseitigt, bewältigt der Tiefbahnhof mit nur 8 Gleisen nicht einmal den heutigen Fahrplan des (maroden!) Kopfbahnhofs in gleichwertiger Betriebsqualität – und noch viel weniger die Verdoppelung der Bahnnachfrage ab 2030.
In Stuttgart erfolgte – bahnfachlich unbestreitbar! – für aktuell rund 11,5 Milliarden Euro, mit den beiden unnötigen Ergänzungstunneln am Ende für knapp 20 Milliarden Euro, faktisch ein Rückbau der Bahninfrastruktur. Dies ist angesichts der in schwerem Fahrwasser befindlichen öffentlichen Haushalte und der exorbitanten Verschuldung der Deutschen Bahn inakzeptabel.
Mit dem Erhalt oberirdischer Gleise im Sinne eines Kombibahnhofs (vgl. Zürich HB) wäre die gesamte Fehlplanung „Stuttgart 21“ leicht und vergleichsweise kostengünstig über den Sonderfonds heilbar, nachdem der unterdimensionierte, neue Tiefbahnhof nun mal leider Fakt ist.
Dieser offene Brief geht in Kopie mit Anlage an den Vorsitzenden des Verkehrsausschusses, Herrn MdB Tarek Al Wazir, den Bundesrechnungshof sowie an den Bund der Steuerzahler.
Mit freundlichen Grüßen
Für die Schutzgemeinschaft Filder e.V.
Dipl.-Ing. Frank Distel
Bürgermeister a.D.
2. Vorsitzender
Für das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21
Dieter Reicherter
Vorsitzender Richter am Landgericht a.D.
Sprecher
