Missglückte Rettungsübung in Thüringer Bahntunnel

Innenminister Hagel und Branddirektor Dr. Belge in der Verantwortung für fehlenden S21-Brandschutz

„Die missglückte Rettungsübung im 1320 m langen Sandberg-Eisenbahntunnel in Thüringen sollte als Menetekel
für die Risiken der nicht brandgeschützten Stuttgart21-Tunnel gesehen werden“, so Bündnissprecher Dieter
Reicherter. Trotz jahrelanger Vorbereitung mit 250 Einsatzkräften für die Rettung von (nur) 100 Menschen aus
einem brennenden ICE vergingen bis zum Eintreffen der ersten Rettungskräfte mehr als 2 Stunden. Bei einem
echten Brand in den Dimensionen von Stuttgart21 wären alle Menschen längst tot gewesen. Grund für das
Scheitern soll ein Fehler in der Alarmierungskette gewesen sein, möglicherweise ein verschwundenes Fax.

Wer meint, derartiges könne beim Superprojekt Stuttgart 21 nicht passieren, der kennt die „Hinweise und
Empfehlungen zur Einsatztaktik in Eisenbahntunneln“ des AK Tunneleinsatz BW der Landesfeuerwehrschule
nicht. Dort wird bestimmt: „Die DB-Notfallleitstelle stellt den Fahrbetrieb auf der freien Strecke (außerhalb von
Bahnhöfen) stets auf allen parallelen Gleisen und in Tunneln in allen Röhren ein. Die Notfallleitstelle bestätigt
gegenüber der örtlich zuständigen ILS (Integrale Leitstelle) die Einstellung des Fahrbetriebs anhand eines Fax-
Vordrucks. Die ILS hat dies und alle weiteren Informationen aus dem Faxvordruck unverzüglich dem
Einsatzleiter mitzuteilen.“ Erst dann kann die Feuerwehr tätig werden. Fehlt das Fax – siehe oben!

„Grund genug für den Innenminister Manuel Hagel als obersten Feuerwehrmann und Katastrophenschützer, sich
der Probleme anzunehmen“ so Reicherter weiter. Dabei gehe es bei S21 um weit mehr als die Alarmierung via
Fax. Der langjährige Innenminister Thomas Strobl habe es immer abgelehnt, sich um die Rettung bei einem
Brandfall in den S21-Tunneln zu kümmern, und hat dem Aktionsbündnis samt seinen Fachleuten konsequent
jegliches Gespräch verweigert – übrigens genauso der Stuttgarter Branddirektor Dr. Belge. Der sollte sich ein
Beispiel nehmen an seinem Thüringer Amtskollegen, der es so auf den Punkt bringt: „Der Gegner im Tunnel ist
die Zeit.“

Lange von der DB geleugnet: ICEs können brennen – Brand auf freier Strecke bei Montabaur 2018, Foto: DER SPIEGEL
Höchste Zeit ist es jetzt auch für Minister Hagel und Branddirektor Belge, sich ihrer Verantwortung zu stellen,
damit ihnen nicht eines Tages das Versagen einer Alarmkette oder aber die katastrophalen Mängel des
Brandschutzes bei Stuttgart 21 auf die Füße fallen. Immerhin ist der Fildertunnel 9,5 Kilometer lang und
dementsprechend sind auch die Anfahrtswege von den Tunnelportalen bis zum Brandherd für Rettungskräfte weit
länger als beim Sandbergtunnel. Im Brandfall sind nicht nur 1000 Menschen in einem brennenden ICE in höchster
Gefahr, sondern auch Feuerwehrleute und Rettungskräfte.

Bei einem Vollbrand ist die Tunnelröhre in ca. 10 Minuten vollständig mit tödlichen Gasen verraucht. Ein
funktionierendes Entrauchungskonzept kann von der Bahn mangels vollständiger Ausführungsplanung derzeit
nicht nachgewiesen werden. Die Bahn verfügt auch über keinerlei Simulationen zur Evakuierung bei einem
Zugbrand. Das ist in Zeiten der Gefahr von hybriden Angriffen und terroristischen Anschlägen unverantwortlich.

PM Tunnelrettung Thüringen

Kontakt: Dieter Reicherter 0151 263 711 31, Werner Sauerborn: 0171 320 9801