„Aus Verantwortung fürs Land?“ – Pro Gäubahn-Landesbündnis kritisiert Koalitionsvertrag
Das Pro Gäubahn-Landesbündnis kritisiert den neuen grün-schwarzen Koalitionsvertrag für Baden-Württemberg als irreführend in zentralen Punkten zur Zukunft der Gäubahn. Zwar erweckt der Vertrag zunächst den Eindruck, sich gegen eine Kappung der Verbindung auszusprechen – tatsächlich bleibt die entscheidende Formulierung jedoch vage und lässt eine Unterbrechung der Direktanbindung an den Hauptbahnhof Stuttgart bereits nach einer möglichen Teilinbetriebnahme von Stuttgart 21 zu.
„Auf den ersten Blick klingt das nach einem klaren Bekenntnis – bei genauerem Hinsehen ist es das Gegenteil“, erklärt Andreas Frankenhauser. „Ausgeschlossen wird eine Unterbrechung nur vor der Inbetriebnahme. Für die Zeit danach bleibt die Tür für eine Kappung weit offen.“
„Wenn 1,4 Millionen Menschen im Einzugsgebiet der Gäubahn ihre direkte Anbindung an die Landeshauptstadt verlieren könnten, ist das keine Politik aus Verantwortung für das ganze Land. Hier werden die Interessen des Südens von Baden-Württemberg den Interessen Stuttgarts untergeordnet.“
Bruch mit früheren Zusagen
Die Grünen hatten sich in ihrem Wahlprogramm klar gegen jede Form der Gäubahn-Kappung ausgesprochen. Auch Manuel Hagel positionierte sich bereits 2024 eindeutig dagegen. „Der Koalitionsvertrag fällt hinter diese Aussagen zurück“, so Frankenhauser. „Was im Wahlkampf eindeutig war, wird jetzt bewusst offengelassen.“
Risiken von Stuttgart 21 ausgeblendet
Der Vertrag stellt Stuttgart 21 als leistungsfähigen Zukunftsknoten dar, ohne zentrale Risiken zu benennen. „Die Deutsche Bahn hat das Projekt seit Jahren nicht im Griff“, sagt Michael Leibrecht (Pro Gäubahn Rottweil). „Mit dem Rückbau bestehender Infrastruktur droht ein spürbarer Verlust an Kapazität und Stabilität im Bahnknoten Stuttgart.“
Südinteressen im Hintertreffen
Nach Einschätzung des Bündnisses bleibt unkritisch, dass städtebauliche Interessen der Landeshauptstadt auf Kosten des südlichen Baden-Württembergs verfolgt werden. „Das Nahverkehrsdreieck und neue S-Bahn-Strukturen werden als Fortschritt dargestellt“, so Dr. Hans-Jörg Jäkel von Gäubahnkomitee Stuttgart. „Sie werden mit der Kappung der Gäubahn verbunden. Damit werden neue Angebote in Stuttgart gegen bestehende Verbindungen im Süden ausgespielt.“
Klare Korrektur gefordert
Das Pro Gäubahn-Landesbündnis fordert ein eindeutiges Bekenntnis gegen jede Form der Gäubahn-Kappung nach der Teilinbetriebnahme von Stuttgart 21. „Wer Verantwortung fürs Land beansprucht, muss alle Landesteile im Blick behalten“, so Hendrik Auhagen von Pro Gäubahn Konstanz. „Dazu gehört auch eine verlässliche, durchgehende Bahnanbindung des Südens an den Hauptbahnhof der Landeshauptstadt – nicht das Abhängen ganzer Regionen.“
Mehr zu Pro Gäubahn: https://pro-gaeubahn.de/
Info: Das Pro Gäubahn-Landesbündnis wurde am 9.3.24 in Rottweil gegründet. Das Bündnis vertritt die Interessen der Bahnstrecke Stuttgart – Böblingen – Horb – Rottweil – Tuttlingen – Singen (-Zürich / Konstanz).
Mitglieder des Pro Gäubahn-Bündnisses sind u.a.:
Pro Gäubahn-Initiative Rottweil – Wir wollen zum Hauptbahnhof
Interessengemeinschaft Gäubahn in Freudenstadt
Pro Gäubahn Singen – Singener Gäubahn-Initiative
Pro Gäubahn Tuttlingen
Pro Gäubahn Konstanz
Gäubahnkomitee Stuttgart – Wir wollen zum Bodensee
Deutsche Umwelthilfe (DUH)
Bund für Umwelt- und Naturschutz Baden-Württemberg e.V. (BUND)
Verkehrsclub Deutschland (VCD) Landesverband Baden-Württemberg
VCD Kreisverband Konstanz
Mobilitätswendeallianz Baden-Württemberg
Schutzgemeinschaft Filder e.V.
Naturfreunde Württemberg e.V.
Fraktion Linke/SÖS im Gemeinderat Stuttgart
Die Linke, Kreisverband Konstanz
Matthias Gastel MdB – Bündnis 90/Die Grünen
Bündnis 90/ Die Grünen Kreisverbände Rottweil, Tuttlingen, Schwarzwald-Baar und Konstanz
SPD-Kreisverbände Freudenstadt, Rottweil und Tuttlingen
