(hier diese Pressemitteilung als pdf-Datei)

Finanzierungszusage für den Pfaffensteigtunnel
Wo bleiben Danksagungen und Entschuldigungen?

Nach der Genehmigung dieses längsten Eisenbahntunnels Deutschlands und der blitzschnellen Finanzierungszusage durch Bundesverkehrsminister Schnieder haben es die Nutznießer des Projekts versäumt, sich bei den Benachteiligten zu entschuldigen und sich bei den Verantwortlichen zu bedanken. Das möchte das Aktionsbündnis stellvertretend nachholen:

Die Nutznießer dieser Finanzierungszusage könnten sich mal bedanken …

  • die S21-Partner beim Bund, der die Kosten dieses Teils ihres Projekts jetzt tragen muss
  • ebenso die Landeshauptstadt Stuttgart, der so ermöglicht wird, ihr nicht finanzierbares und die Überhitzung der Stadt steigerndes Rosensteinquartier mit unbezahlbarem Wohnraum zu bauen
  • auch die Bahn könnte sich bedanken, weil sie Planung und Ausführung dem Bund in Rechnung stellen darf
  • und natürlich der Tunnelbauer Herrenknecht u.a. für weitere satte Gewinne

Entschuldigungen wären fällig …

  • bei allen Steuerzahlenden für letztlich mindestens 5 Milliarden Haushaltsbelastungen, die wieder in Leistungskürzungen und Sozialabbau heimgezahlt werden dürften
  • bei allen anderen Regionen in Deutschland, für deren Projekte kein Geld übrigbleibt, wie
  • bei der Region Mannheim, wo der Ausbau des bedeutenden Schienenknotens zurückgestellt wurde
  • bei allen Anrainern im südlichen Teil der Gäubahn, deren zweigleisiger Ausbau jetzt auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben wird, und die nun jahrelang nicht mehr direkt nach Stuttgart kommen können (wie auch die Stuttgarter nicht mehr ohne Umstieg nach Süden können)
  • bei allen Unternehmen, die zum Gütertransport auf eine zweigleisig ausgebaute Gäubahn angewiesen sind und nun durch diesen nicht güterverkehrstauglichen Tunnel ausgesperrt werden
  • bei allen Landwirten, deren fruchtbarste Böden dem Tunnel unwiederbringlich geopfert werden
  • bei allen Reisenden, die beim Aus-, Ein- oder Umstieg am Flughafen über Treppen oder Fahrstühle neun Stockwerke und lange Laufwege bewältigen müssen
  • bei allen Umsteigenden im Tiefbahnhof, wo auch mit diesem Tunnel kein Deutschlandtakt möglich sein wird
  • bei allen S 21-Reisenden, denen durch fehlende Zug-Kapazitäten viel Lebenszeit geraubt wird
  • bei allen Nutzer:innen der S-Bahn, die bis zu einem Anschluss des Tunnels an die bisherige Bahnstrecke wie angekündigt 450 Tage lang mit Schienenersatzverkehr leben müssen
  • nicht zuletzt bei allen Menschen, deren Intelligenz mit der altbekannten Schönrechnerei des Nutzen-Kosten-Verhältnisses des Pfaffensteigtunnels beleidigt wird.

Dazu Dieter Reicherter, Sprecher des Aktionsbündnisses:

„Die Verantwortlichen haben aus den Fehlern bei Stuttgart 21 nichts gelernt. Auch die Propagandalügen wiederholen sich. Einmal mehr bleibt ein zuverlässiger Bahnverkehr auf der Strecke. Mit viel weniger Aufwand könnte die Gäubahn weiterhin auf der traumhaften Panoramastrecke von Stuttgart-Vaihingen zum Stuttgarter Hauptbahnhof fahren“

Kontakt: Dieter Reicherter 07192 930522 oder 0151 263 711 31, Werner Sauerborn: 0171 320 9801