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Bahnchefin Palla enttäuscht bei Sonder-Lenkungskreis zur S21-Krise

„Zu kurz gesprungen“

„Unsere großen Erwartungen an Frau Palla sind nach ihrem Auftritt vor dem Sonderlenkungskreis am vergangenen Montag der Ernüchterung gewichen“, so Bündnissprecher Martin Poguntke. „Bon courage, Evelyn!“ hatten Teilnehmende einer Protestkundgebung Palla zur Begrüßung zugerufen. Aber nichts von dem kurz darauf dort Gesagten war noch couragiert und radikal im Sinne von „das Übel an der Wurzel packen“. Stattdessen machte sich Palla die sattsam bekannten, hundertmal widerlegten Textbausteine ihrer Projektpartner zu eigen: Stuttgart 21 sei ein weltweit einmaliges Großprojekt, wobei sie sich, so wie die S21-Werbeargumentation auf die Architektur der Bahnhofshalle bezog, aber nichts zur Funktionalität des Tiefbahnhofs sagte. Ein besserer Regionalverkehr sei nur mit S21 möglich und ETCS sei die Lösung für das Kapazitätsproblem, aber es sei nun mal sehr herausfordernd.

Besonders enttäuschte Pallas Aussage zum Pfaffensteigtunnel: „Es ist nicht angedacht, dass wir an der Stelle noch mal eine Überarbeitung haben werden“, auch wenn diese Formulierung wenig Begeisterung, eher resignierte Zustimmung zu diesem Plan der Projektpartner erkennen ließ. Gerade erst hat ein wissenschaftlicher Beitrag belegt, wie unwirtschaftlich, verkehrspolitisch absurd und klimabelastend dieses Vorhaben ist, bei dem die S21-typischen unehrlichen Versprechungen ungebrochen fortgesetzt werden.

Nach dem jüngsten S21-Offenbarungseid wäre ein Baustopp für das gesamte Projekt die logische Konsequenz gewesen. Immerhin begrüßt auch das Aktionsbündnis, dass jetzt „mindestens bis Ende Februar … im Rahmen einer umfassenden Revision“ geprüft werden soll. Der schon laufende Prozess ist also aufwändig angelegt (15 Mitarbeitende, Experteninterviews, „Tausende Seiten Akten“). Er erfolgt aber nur bahnintern und bezieht sich nur auf das Prozessuale, auf die Projektsteuerung, Vertragsgestaltung und Kommunikation. „Wenn auf diese Weise die fundamentalen Probleme des Projekts selbst, wie Kapazität, Brandschutz, Pfaffensteigtunnel, Kopf- bzw. Kombibahnhof, Kostenperspektive und Klima ausgespart blieben, würde um den heißen Brei herum geprüft.“ so Poguntke. Die Vorstellung, durch bessere Kommunikation und effektivere Managementstrukturen könnten die aufgebrochenen Probleme von Stuttgart 21 gelöst werden, gehe komplett an der Realität von S21 vorbei. Mit einem so verkürzten Ansatz werde Palla am Ende scheitern.

Spätestens nach der internen Prüfphase müssen die Schlüsselprobleme des Projekts auf den Tisch. Und es muss einen Rahmen geben, in dem die Rolle der politisch für Stuttgart 21 Verantwortlichen in den Fokus genommen werden. Es kann nicht dabei bleiben, dass sie ihre Hände in Unschuld waschen und nach der Devise „Haltet den Dieb“ auf die Bahn zeigen.

Nachdem Ministerpräsident Kretschmann den Gegnern von S21 kürzlich attestierte, dass nun eintrete, wovor sie „immer gewarnt haben – und zwar von A bis Z“, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass eben diese Gegner mit ihrer über viele Jahre erworbenen Fachkompetenz in den Prozess der Aufarbeitung einbezogen werden.

Entsprechende Gesprächsangebote wurden – bisher unbeantwortet – mehrfach an Frau Palla und auch an Verkehrsminister Patrick Schnieder gerichtet.

Kontakt:
Martin Poguntke, 0151 403 602 56
Werner Sauerborn, 0171 320 98 01