Susanne Heydenreich
Ich empfinde das Anhalten und Warten müssen in diesem alten Kopfbahnhof immer als etwas Besonderes.
Jeder Reisende ist zum Stehenbleiben und Innehalten gezwungen. Für ein paar Minuten sind alle mit demselben Schicksal konfrontiert. Ein Ruhepunkt in der ewigen Superlativraserei.
Warum ist es so wichtig, möglichst schnell wieder wegzukommen?
Jetzt soll das also auch vorbei sein, ich sehe es mit großem Bedauern, ganz abgesehen davon dass es uns alle viel Geld kosten wird...
Stuttgart verändert sich ja ständig, eine Baustelle jagt die Nächste, und man fragt sich immer wieder - Muss das sein?
Warum sieht man in dieser Stadt so wenig Spuren vergangener Zeit - außer an ein paar denkmalgeschützten Bauwerken; die Ideen was, wo, wie ersetzt und ganz anders neu entstehen könnte, überholen sich selbst, damit keine Lücken entstehen, man schneller vergisst, nichts vermisst...?
Eine Idee: Vielleicht sollte sich eine Stiftung gründen, die Preisgelder vergibt für die Stadt mit den wenigsten Baustellen, die Stadt, die sich selbst am treuesten bleibt, die das Wohl ihrer Einwohner demokratisch ernst nimmt, nicht nur die schnellstmögliche Anbindung an die Welt...
Menschen die sich schnell und bereitwillig von Vergangenem trennen, wie gehen sie mit anderen Menschen um?


