Ulrich Scheuffele
Weshalb ich den öffentlichen Gutachten der Deutschen Bahn nicht mehr glauben kann.
Ein Großprojekt der Bundesbahn war auch die Schnellbahntrasse Stuttgart-Mannheim. Auch damals gab es Protest gegen dieses Projekt. Zu dieser Zeit war ich Stadtrat in Markgröningen und Mitglied im Ausschuss Schnellbahntrasse. Ich war immer ein Befürworter dieses Projektes, was mich jedoch nicht vor einer kritischen Begleitung abgehalten hat. Im Rahmen der Bauarbeiten wurde zwischen Schwieberdingen und Markgröningen eine kleine Deponie angeschnitten und der Plan war die Gleise durch eine Stützmauer abzusichern. Die DB legte ein Untersuchungsgutachten der Deponie vor, das mir als beteiligtem Stadtrat im Original vorlag. Irgendwie hatte ich ein ungutes Gefühl von dem Gutachten und zeigte es ein paar Spezialisten in meinem Bekanntenkreis, die meine Befürchtung teilten. Auf die Gefahr hin mich u.U. furchtbar zu blamieren, bezeichnete ich in der öffentlichen Gemeinderatssitzung das Gutachten als gefälscht. Diese Aussage wurde von der Presse aufgenommen und sorgte für Unruhe. Um diese Unruhe zu beseitigen, beschloss das Wasserwirtschaftsamt Besigheim ein eigenes Gutachten zu veranlassen. Daraufhin platzte die Bombe. Die Deponie war mit über 20 t Fettschlämmen verseucht, die hochgradig mit Perchlorethylen kontaminiert waren. Das Wasserwirtschaftsamt ordnete eine sofortige Sanierung an, die über 15 Millionen DM verschluckt hat. Lange Jahre gab es noch Bodenabsaugung der Restdämpfe. Nachdem ich den Skandal aufgedeckt hatte wurde ich im Nachhinein dafür von verschiedenen Leuten beschimpft. Schon damals hätte ein Schaden für das Stuttgarter Mineralwasser entstehen können, weil viele Geologen der Meinung waren, Dies Sanierung hat sich zeitlich negativ auf die Bauarbeiten ausgewirkt, was wahrscheinlich die Ursache für das Verhalten der Bahn war.
Auch bei Stuttgart21 wurden Gutachten manipuliert oder unter Verschluss gehalten, nach dem Motto? Was uns schadet, geht auch niemand etwas an?.
War ich bei diesem Projekt noch ein Befürworter, so kann ich bei dem S21 Projekt nur ankämpfen. Je mehr ich mich mit der Materie beschäftige umso mehr wächst mein persönlicher Widerstand. Ich bin Stolz auf meine Landsleute, die sich nicht von dem Diktat der Politiker ins Boxhorn führen lassen, sondern zeigen was bürgerschaftliche Verantwortung und Gewissen ist.
Von dem geplanten Runden Tisch halte ich nichts, da es sich hier nur um einen Missionsveranstaltung der Projektverfechter handelt, um die S21-Gegener zu Befürwortern zu bekehren.
Meine Vision ist, dass unser Schwabenstreich sich zu einem weltweiten Instrument entwickelt, in dem der Protest gegen Politikerdummheit, Beamtenwillkür und staatliche Zerstörung kultureller Schätze ausgedrückt wird.


