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3.9.2010 : 17:01 : +0200

Termine

Redebeiträge, Fotos, Filmaufnahmen der Veranstaltungen unter

Freitag, 3.9.2010, 17:00 Uhr und 17:30 Uhr

Erste Kunstführung am Bauzaun zu Formen des Protests

"Jeder Mensch ist ein Künstler" dieser berühmte Ausspruch, den Joseph Beuys 1967 zum ersten Mal auf der documenta in Kassel artikulierte, hat nichts von seiner Gültigkeit verloren. Das zeigt sich in diesen Tagen am Stuttgarter Hauptbahnhof. Wer mit aufmerksamem Blick die Plakate und Collagen betrachtet, die als Zeichen des Protests am Bauzaun angebracht wurden, gerät ins Staunen, denn mit viel Ironie, Intelligenz und Kreativität findet der Protest hier seine Form.

Die künstlerische Verknüpfung von Schrift und Bild sowie die Verfremdung bekannter Motive mit Hilfe von Zeichnungen und satirischen Fotomontagen, in deren Überspitzung oft genug ein hintergründiger Witz liegt, ist in Stuttgart spontan im öffentlichen Raum entstanden ? und zwar aus der Mitte der Gesellschaft heraus.

Ganz abgesehen, ob man nun für oder gegen das Projekt ?Stuttgart 21? eingestellt ist, die Formen des Protests, die im Zuge der Abrissarbeiten am Bauzaun des Nordflügels entstanden sind, lohnen eine Führung, denn wo sonst sind derzeit so viel kreative Positionen mit aktuellem Bezug und gesellschaftlicher Relevanz zu sehen!

Am Freitag, 03.09.2010 werden die Kunsthistoriker Johannes Rauser M.A. und Dr. Ulrich Weitz erstmals Führungen am Bauzaun des Nordflügels des Stuttgarter Hauptbahnhofs durchführen. Dort ist der richtige Platz, den Dialog über die Kultur in unserer Stadt und über unsere Zukunft zu führen. Leider wurde vom Amt für öffentliche Ordnung als auch beim Polizeipräsidium Stuttgart eine Erlaubnis für den Zutritt der Zone direkt am Bauzaun abgelehnt. Die Führung wird jetzt mit Reproduktionen durchgeführt. Um jeden Verdacht einer Kommerzialisierung zu vermeiden, verzichten die Kunsthistoriker auf Honorare und die Teilnahme ist kostenlos. Allerdings wird eine Anmeldung erbeten: (Telefon: 0711-7657184 / Fax: 0711-760873 / email: info@kunstvermittlung-gmbh.de)

Veranstaltet werden die Führungen von der Agentur für Kunstvermittlung GmbH, die aus einem Modellversuch der Landesregierung Baden-Württemberg und der Bundesrepublik Deutschland entstand.


Freitag, 3.9.2010, 19 Uhr

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Montag, 6.9.2010, 18 Uhr

42. Montagsdemo

Es sprechen Prälat a.D. Martin Klumpp und der Kabarettist Nils Heinrich.
Musik: Susanne Schempp

Das Aktionsbündnis ruft alle Bürger auf, zahlreich zu kommen und phantasievoll und entschlossen gegen das immer absurdere Prestigeprojekt zu protestieren. Bitte mitbringen: kreative Plakate, Objekte, Kostüme, Verkleidungen, Musikinstrumente, Meisenflöten, etc., etc...

Wo: Vor dem Nordflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs

Montag, 13.9.2010, 18 Uhr

43. Montagsdemo

Es sprechen der Schauspieler Wolfgang Höper und der Architekt Prof. Roland Ostertag.
Musik: Volxtanz

Das Aktionsbündnis ruft alle Bürger auf, zahlreich zu kommen und phantasievoll und entschlossen gegen das unsinnige Prestigeprojekt zu protestieren. Bitte mitbringen: kreative Plakate, Objekte, Kostüme, Verkleidungen, Musikinstrumente, Meisenflöten, etc., etc...

Wo: Vor der Nordflügelruine des Stuttgarter Hauptbahnhofs

4.12.2010 bis 27.2.2011

Paul-Bonatz-Retrospektive

Wo: Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, Frankfurt/Main

Die Ausstellung präsentiert mit Paul Bonatz (1877-1956) einen der einflussreichen deutschen Architekten und Architekturlehrer des 20. Jahrhunderts, der zwischen Kaiserreich und früher Bundesrepublik ein vielfältiges Werk hinterließ.
Sein wichtigster Bau, der Stuttgarter Hauptbahnhof (1911-27), ist im Rahmen des Projekts "Stuttgart 21" durch Teilabriss akut gefährdet. Bonatz machte sich auch als Gestalter von technischen Bauten einen Namen. Seine Haltung zum Nationalsozialismus war ambivalent: Obwohl er als Brückenbauer eine einflussreiche Position beim Bau der Reichsautobahnen innehatte, kritisierte er Hitlers Gigantismus und emigrierte noch 1944 in die Türkei. Über ein Jahrzehnt lang war er dort als Architekt und Hochschullehrer tätig.

12.3.2011 bis 22.5.2011

Paul Bonatz  1877-1956

Wo: Kunsthalle Tübingen, Philosophenweg 76

Paul Bonatz ist einer der einflussreichsten deutschen Architekten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Als Schüler, Assistent und schließlich Nachfolger des Stuttgarter Professors und Urvaters der Moderne Theodor Fischer stand er schon vor dem Ersten Weltkrieg in der ersten Reihe der Reformer. Er ist Hauptvertreter der »Stuttgarter Schule«, die international als gemäßigter Gegenpol zur avantgardistischen Moderne wahrgenommen wurde. Seine an Bautradition und Landschaftsbezug orientierte Architektur gewann im Kontext der Revision der Moderne neue Aktualität.

Die Kunsthalle Tübingen präsentiert nun als zweite Station eine vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt zusammengestellte, umfassende Bonatz-Retrospektive. Zahlreiche originale Pläne, Zeichnungen, alte Fotos und neu gebaute Modelle dokumentieren seine wichtigsten Werke: etwa die Sektkellerei Henkell in Wiesbaden (1907-1909), die Universitätsbibliothek in Tübingen (1910-1912), die Stadthalle in Hannover (1910-1914), die Neckarstaustufen zwischen Stuttgart und Heidelberg (1927-1933), der Zeppelinbau in Stuttgart (1919-1931), das Kunstmuseum in Basel (1932-1936) und die Oper in Ankara (1947-1948). Im Zentrum steht freilich sein Hauptwerk, der Stuttgarter Hauptbahnhof (1911-1927), der zum Zeitpunkt der Ausstellung vermutlich bereits seine beiden Seitenflügel für das Großprojekt »Stuttgart 21« geopfert haben wird.

Zur Ausstellung erscheint im Tübinger Wasmuth-Verlag ein von Roland May und Wolfgang Voigt herausgegebener Katalog.