Jörg Nauke ...
... im Presse-Spiegel
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(StZ, 17.11.2009) [weiter]
Probleme mit dem Filderbahnhof
Dürfen die voluminösen Fernverkehrszüge der Gäubahn in Zukunft durch den S-Bahntunnel auf den Fildern zwischen Rohrer Kurve und Flughafenbahnhof fahren oder nicht? In Bahnkreisen wird kolportiert, dass es die dafür erforderliche Ausnahmegenehmigung, die schon seit 2008 in Aussicht gestellt ist, womöglich gar nicht geben wird. Dies könnte im schlimmsten Fall bedeuten, dass die Bahn eine neue unterirdische Trasse planen muss, die dann aber nicht zur bestehenden (und ebenfalls zu kleinen) S-Bahn-Station Flughafen führen würde, sondern zum neu zu bauenden Filderbahnhof.
Für Bahnsprecher Werner Klingberg wäre diese Option "eine mittlere Katastrophe", wie er unlängst im Gemeinderat von Leinfelden-Echterdingen betonte. Diese Umplanung würde viel Zeit brauchen, der Tunnelbau wäre aufwendig und die ohnehin aus dem Ruder gelaufenen Kosten von 4,1 Milliarden Euro würden weiter steigen. Der Risikotopf müsste wohl um weitere 80 Millionen Euro erleichtert werden.
Ursächlich für die Probleme: der Querschnitt der mit einer Ausnahmegenehmigung erstellten Tunnels auf den Fildern, scheint (zumindest formal) zu klein zu sein, um die gegenüber S-Bahnen deutlich voluminöseren Fernverkehrszüge aufzunehmen und gleichzeitig den Fahrgästen sowie Bahnbediensteten ausreichend Fluchtraum für den Ernstfall zu gewähren.
Das Bundesverkehrsministerium hat allerdings gestern Nachmittag gegenüber der StZ erklärt, von den Gerüchten, es würde keine Ausnahmegenehmigung erteilt werden, wisse man nichts. Dies treffe auch nicht zu. Der Sprecher von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), Sven Ulbrich, erklärte, die Bahn habe "noch immer nicht ausreichende Unterlagen für die Zulassung einer Ausnahme von den Regelungen der Eisenbahn-Bau-und Betriebsordnung (EBO) vorgelegt". Sowie diese Unterlagen vorlägen, "in erster Linie für ein Evakuierungskonzept", würden sie geprüft. "Erst dann kann entschieden werden."
Daraus leiten Experten ab, dass die Bahn bisher davon ausgegangen sei, sowohl das Eisenbahnbundesamt (Eba) als auch das Verkehrsministerium überzeugen zu können, man befasse sich mit einer Bestandsstrecke, für die man eine Ausnahmegenehmigung erhalten könne, falls die Röhren als zu gering dimensioniert betrachtet würden. Das Land nimmt eine identische Position ein. Es verwies in der Antwort auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Wölfle auf die jetzige Anbindung der Gäubahn an den Kopfbahnhof hin und bemerkte: "Bestehende Tunnels dürfen deutlich geringere Querschnitte haben."
Per Dekret den Tunnel für sicher zu erklären, wäre für die Bahn die billigste Lösung. Es wären keine Umbauten nötig, und man bräuchte kein neues Evakuierungskonzept. Doch offenbar teilt das Eba diese Einschätzung nicht und stuft die künftig von Nah- und Fernverkehrszügen zu befahrende Gäubahn im Konzept Stuttgart 21 nicht als Bestandsstrecke ein. Die Konsequenz: die Bahn muss erklären, wo sich im Ernstfall Rettungswege befinden. Deshalb kann auch keine Rede mehr davon sein, dass im Planfeststellungsverfahren für den Filderbereich nur noch die schnelle Unterschrift von Peter Ramsauer fehlt. Es gehe gar "nicht um eine Ministererlaubnis", betonte Sprecher Ulbrich.
Die Kompetenz hat demnach allein das Eisenbahnbundesamt, das übrigens auch verfügte, den Abstand von Rettungsstollen von 1000 auf 500 Meter zu reduzieren. In den vergangenen Monaten hatten die Projektverantwortlichen jedoch den Eindruck erweckt, Ramsauer müsse nur den Daumen heben. Dies hatte sogar dessen Staatssekretär, der FDP-Abgeordnete Jan Mücke, gegenüber der StZ erklärt: "Ich hätte die Ministererlaubnis gerne mitgebracht, komme aber mit leeren Händen", bedauerte er Mitte Februar.
von Jörg Nauke
erschienen am 18.3.2010 in der Stuttgarter Zeitung

