Thomas Braun ...
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Fernbusse sollen am Flughafen halten
Busbahnhof - Nach dem Aus für Vaihingen gibt es einen neuen Favoriten - allerdings nur für die Stuttgarter Räte.
Der Technische Ausschuss des Gemeinderats hat gestern das Aus für den geplanten Fernomnibusbahnhof-Standort Vaihingen einstimmig besiegelt. Sowohl die Grünen als auch die CDU favorisieren nun einen Standort am Flughafen, die SPD fordert einen neuen Suchlauf .
Zu Beginn der Debatte erinnerte der Baubürgermeister Matthias Hahn daran, dass es 2008 noch eine komfortable Mehrheit für das Projekt nahe des Vaihinger S-Bahnhofs gegeben habe. "Die Kommunalwahl hat da einiges verändert", so Hahn. Gleichwohl halte er es persönlich für einen Fehler, den Standort Vaihingen aufzugeben. Dieser habe sich beim ersten Suchlauf als der beste Ersatz für den zentralen Omnibusbahnhof am Schlossgarten herausgestellt, der bekanntlich dem neuen Stuttgart-21-Tiefbahnhof weichen soll.
Doch trotz Hahns Beteuerungen, es handele sich bei den zu erwartenden maximal 2000 Reisenden und bis zu 300 Busfahrten an Spitzentagen im Vergleich zum derzeitigen Passagier- und Verkehrsaufkommen um eine "vernachlässigbare Größe", wollte ihm die Ausschussmehrheit nicht folgen. Ausschlaggebend dafür war die Kehrtwendung der CDU-Fraktion, die im Vorfeld der Sitzung erklärt hatte, sie lehne den bisher von ihr befürworteten Standort in Vaihingen ab. Weil sich Grüne, SPD und SÖS/Linke dem vierspurigen Ausbau der Nord-Süd-Straße verweigert hätten, sei eine effiziente Verkehrsführung des Busverkehrs zu den neuen Terminals nicht mehr möglich, so CDU-Stadtrat Jürgen Sauer.
Stattdessen müsse ein erneuter Suchlauf vor allem den Flughafen ins Visier nehmen, forderte Sauer. Dort böte sich aus Sicht der CDU etwa ein Standort auf dem Gelände des alten Frachthofs an. Sauer forderte Oberbürgermeister Wolfgang Schuster auf, die Angelegenheit zur Chefsache zu machen und Gespräche mit seinem Amtskollegen Roland Klenk aus Leinfelden-Echterdingen und den beiden Geschäftsführern des Flughafens zu führen.
Grünen-Fraktionschef Werner Wölfle betonte ebenso wie SÖS-Stadtrat Gangolf Stocker, die Stadt brauche eigentlich keinen neuen Busbahnhof, da Stuttgart 21 noch nicht in trockenen Tüchern sei. Die Grünen sähen sich aber nach dem Aus für Vaihingen in der Verantwortung dafür, dass die provisorischen Busstandorte Obertürkheim und Zuffenhausen nicht zu Dauereinrichtungen werden. Deshalb hätten sie eine Befristung der Provisorien auf maximal fünf Jahre durchgesetzt. Im Übrigen halte er einen von seinem Parteifreund, Verwaltungsbürgermeister Klaus-Peter Murawski, ins Gespräch gebrachten Busbahnhof am Flughafen - etwa auf dem Parkplatz P 0 - "nicht für abwegig", so Wölfle.
Die SPD-Fraktionsvorsitzende Roswitha Blind mahnte einen neuen, ergebnisoffenen Suchlauf an. Dieser müsse auch die geplante europaweite Liberalisierung des Busverkehrs berücksichtigen, die zu einem höheren Verkehrsaufkommen führen werde. Laut Günter Stübel (FDP) sind die Pläne für den Busbahnhof in Vaihingen vor allem deswegen gescheitert, weil der Zubringerverkehr der Busreisenden für den Stadtbezirk unzumutbar gewesen wäre. Auch die beste Nahverkehrsanbindung nütze da nichts, weil "die Kroaten mit ihren Plastiktüten eben nun mal nicht mit der S-Bahn zum Busterminal kommen".
Am Flughafen und in Leinfelden-Echterdingen zeigt man sich indes wenig erfreut über die Idee, die Stuttgarter Probleme auf fremder Gemarkung zu lösen. Flughafensprecher Volkmar Krämer empfahl den Stadträten, sich mit den Planungen rund um den Airport vertraut zu machen: "Der Parkplatz P 0 fällt durch die Westerweiterung weg; das Gelände des alten Frachthofs brauchen wir selbst als Ersatzfläche, weil dort in unmittelbarer Nähe die Baustelle für Stuttgart 21 eingerichtet wird."
Für OB Roland Klenk gleicht das Stuttgarter Vorgehen einem unfreundlichen Akt: "Ich hatte gehofft, dass unsere Kooperation in anderen Bereichen der Kommunalpolitik Schule machen würde."
von Thomas Braun
erschienen am 10.3.2010 in der Stuttgarter Zeitung

