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23.5.2013 : 5:27 : +0200

Thomas Braun ...

... im Presse-Spiegel

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Grundwasser: Messetunnel wird zum Sanierungsfall

Bei Tunnelbauten sind Wassereinbrüche nicht ungewöhnlich. Kritiker sehen Risiken für den Filderbahnhof.

Vor dem Hintergrund der Sperrung des Messetunnels an der Autobahnausfahrt Flughafen/ Messe wegen eindringenden Wassers gibt es Befürchtungen, dass sich ähnliche Vorfälle beim geplanten Bau des Filderbahnhofs im Zuge des Bahnprojekts Stuttgart 21 wiederholen könnten. Die Projektgesellschaft Neue Messe (PNM), Bauherr der Ausstellungswelt auf den Fildern, weist allerdings darauf hin, dass die beiden Projekte nicht vergleichbar seien.

In der vergangenen Woche hatte das Regierungspräsidium Stuttgart die Tunnelausfahrt zum Ärger der Messeverantwortlichen wegen Glatteis sperren lassen. Der Grund für die Eisbildung waren die frostigen Temperaturen in Verbindung mit Wasser, das durch den offenbar rissig gewordenen Beton der etwa 370 Meter langen Röhre sickert.

Daraufhin veranlasste die Aufsichtsbehörde die Sperrung wegen Unfallgefahr. Die Verantwortlichen der Projektgesellschaft hielten die Maßnahme dagegen für überzogen - schließlich sei für solche Fälle der Streu- und Räumdienst da.

Die Frage, warum Wasser durch geschlossene Betonwände eindringen konnte, wird möglicherweise die Gerichte beschäftigen. "Wir können momentan nicht sagen, ob es sich um einen Konstruktionsfehler oder einen Fehler des Bauunternehmens handelt", sagt Hans-Ulrich Rollmann, Chef der PNM. Ein solcher Wassereintritt sei bei Tunnelbauwerken im Grundwasser "nichts Außergewöhnliches". Rollmann verweist unter anderem auf den Stadtbahntunnel in Sillenbuch und den Engelbergtunnel an der Autobahn 81 bei Leonberg. Auch am S-Bahn-Tunnel am Flughafen traten im vergangenen Jahr Probleme mit Wassereinbrüchen auf.

Lassen sich solche Schwierigkeiten beim Bau des neuen, unterirdischen Filderbahnhofs nahe des Flughafenterminals vermeiden? Für Rollmann steht zumindest eines fest: "Man kann von einem Bauwerk nicht auf das andere schließen." Im Fall des neun Millionen Euro teuren Messetunnels, der relativ nah unter der Erdoberfläche verläuft, hatte man - wissend um die Grundwasserprobleme - wasserdichten Spezialbeton ohne Zwischenfugen verbaut. Doch das Wasser fand trotzdem seinen Weg. Beim Bau des mehrere Stockwerke unter der Erde liegenden Filderbahnhofs liegt es deshalb auf der Hand, dass die Bahn noch strengere Maßstäbe an Konstruktion und Ausführung anlegen muss. Immerhin sollen dort künftig täglich etwa 50 Fernzüge und 62 Regionalzüge in die Station einfahren, eine unterirdische Einkaufsmeile ist ebenfalls vorgesehen. Lecke Betonwände würden nicht nur das Erscheinungsbild erheblich trüben, sondern auch gewaltige Sanierungskosten verursachen.

Was die Reparatur des porösen Messetunnels kosten wird, darüber will sich Hans-Ulrich Rollmann derzeit nicht äußern: "Wir sind momentan noch mitten im Beweissicherungsverfahren." Eines freilich kann der Chef der Projektgesellschaft definitv ausschließen. "Am Beton selbst hat es nicht gelegen", sagt er.

von Thomas Braun

erschienen am 8.2.2010 in der Stuttgarter Zeitung