Sie sind hier: Presse > 091201_Projekt Stuttgart 21: Fragwürdige Rangiermanöver > 
26.5.2013 : 2:49 : +0200

Thomas Wüpper ...

... im Presse-Spiegel

Fehlplanung der Deutschen Bahn
(FR - online, 31.3.2010) [weiter]

Kommentar: Stuttgart 21 - absurd
(FR, 1.2.2010) [weiter]

Die Kosten explodieren
(FR, 1.2.2010) [weiter]

Berater Holzhey: "Die Bahn ist Opfer und Täter zugleich."
(FR - online, 21.1.2010) [weiter]

Deutsche Bahn: Neubauprojekten droht das Aus
(StZ, 18.1.2010) [weiter]

Finanznot: Die Bahn setzt den Rotstift an
(StZ, 18.1.2010) [weiter]

Geheimpapier: Bahn profitiert von Stuttgart 21
(FR - online, 18.12.2009) [weiter]

Deutsche Bahn - Schönrechnen auf die schwäbische Art
(FR - online, 9.12.2009) [weiter]

Projekt Stuttgart 21: Fragwürdige Rangiermanöver
(FR, 1.12.2009) [weiter]

Konkurrenz mit 60 Bahnprojekten
(StZ, 25.11.2009) [weiter]

Stuttgart 21 - das Milliarden-Grab
(FR, 24.11.2009) [weiter]

Projekt Stuttgart 21: Fragwürdige Rangiermanöver

Das Milliardenprojekt Stuttgart 21 wird viel teurer als geplant. Doch die Deutsche Bahn hält daran fest. Denn die Lasten sind beim größten Infrastrukturprojekt Deutschlands ungleich verteilt - zugunsten der Bahn. Bis zu 4,5 Milliarden Euro wird der umstrittene Bau eines unterirdischen Durchgangsbahnhofs in der schwäbischen Landeshauptstadt kosten. Weitere zwei Milliarden kommen für die Neubaustrecke nach Ulm hinzu.

"Am Ende könnten es zehn Milliarden sein", sagt Michael Holzhey, Bahnexperte von der Beratungsfirma KCW. Durch die Vorhaben würden weit wichtigere Verkehrsprojekte wie der Ausbau der Rheintalschiene Karlsruhe-Basel für den Güterverkehr massiv verzögert, weil für Jahrzehnte das Geld dafür fehle.

Das bestreiten die Deutsche Bahn und der Projektsprecher, der Stuttgarter Landtagsvizepräsident Wolfgang Drexler (SPD). "Die Kritik ist realitätsfern", so Drexler. Andere Bahnprojekte würden durch S 21 nicht verzögert, weil das Projekt anders finanziert sei. Allein in die Rheintalstrecke flössen bis 2014 rund 400 Millionen Euro Bundesmittel.

Für Insider grenzt freilich das an Realitätsverweigerung. Denn die Chance, dass im Südwesten mehrere Großprojekte zeitgleich realisiert werden, ist gleich Null. In den vergangenen Jahren steckte der Bund pro Jahr weniger als eine Milliarde Euro in die derzeit rund 60 Ausbauprojekte. Wegen der großen Finanznot des Staates könnte es künftig noch weniger sein. Die Planer sind aber optimistisch und erwarten von 2009 bis 2014 Investitionen von im Schnitt gut 1,6 Milliarden Euro pro Jahr. Das zeigen vertrauliche Papiere, der FR vorliegen.

Insgesamt sollen zehn Milliarden Euro Steuergeld nach föderalem Proporz auf 60 Vorhaben verteilt werden. S 21 und die ICE-Strecke nach Ulm sollen bis 2014 mehr als 550 Millionen Euro Bundesmittel erhalten. Restbetrag für die Folgejahre: weitere fast 1,5 Milliarden Euro. Bis 2020 sollen die Projekte fertig sein. Also müssten die zwei Vorhaben ab 2015 jährlich 250 Millionen Euro Bundesmittel bekommen.

Für den viergleisigen Ausbau Karlsruhe-Rastatt sind bis 2014 nur 361 Millionen eingeplant. Restbetrag danach: noch gewaltige 2,24 Milliarden Euro. Finanzierung: völlig offen. Bahn-Chef Rüdiger Grube kann bis Jahresende bei S 21 aussteigen, doch davon ist derzeit keine Rede. Für Holzhey kein Rätsel: "Die Lasten bei S 21 und der ICE-Strecke trägt zum allergrößten Teil der Steuerzahler, nicht die DB." Der Konzern betont zwar gerne, man sei mit 1,1 Milliarden Euro Eigenmitteln an S 21 beteiligt. Doch 450 Millionen Euro davon hat die DB schon vor acht Jahren durch äußerst lukrative Grundstücksverkäufe an die Stadt refinanziert, weitere Immobiliengeschäfte sollen folgen.

Experte Holzhey taxiert die Kostenbeteiligung der DB bei S 21 auf rund 200 Millionen Euro. Noch eine Absurdität: Viel größer wäre das Risiko für Grube, wenn er das Vorhaben abblasen würde. Dann müsste die DB die 450 Millionen Euro zurückzahlen, und das würde den klammen Staatskonzern derzeit heftig treffen.

von Thomas Wüpper

erschienen am 1.12.2009 in der Frankfurter Rundschau