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zum StN-Artikel "Alt-OB Rommel: Bauen statt diskutieren" vom 22.08.08
Dem Autor ist darin zuzustimmen, dass es höchste Zeit ist, die Schnellbahntrasse Stuttgart - Ulm zu realisieren. Diese schnellen Zugverbindungen könnte es eigentlich schon geben, zumindest könnte die Trasse schon im Bau sein, denn sie war nie umstritten.
Verhindert wird dies aber nun schon seit Jahren durch einen Streit, der mittlerweile die Bevölkerung schon in zwei Lager gespalten hat, die sich gegenseitig den Status "geistig minderbemittelt" unterstellen.
Der daraus bereits entstandene Schaden ist auch durch teuere und fragwürdige Werbekampagnen nicht zu reparieren. Und schon gar nicht wäre er beendet, wenn die Verantwortlichen den Bau des umstrittenen Projektes "Stuttgart 21", unter Missachtung auch der fundierten Kritik renommierter Sachverständiger, durch eine Machtdemonstration durchsetzen würden. In diesem Punkt irrt der, ansonsten von mir durchaus geschätzte, Verfasser des Artikels.
Eigentliche Ursache der Auseinandersetzungen ist doch, dass die Initiatoren von S21 den Ausbau des europäischen Schnellbahnnetzes zwischen Stuttgart und Ulm als Vorwand benutzen, um die bisherigen Gleisflächen für eine Neubebauung zu gewinnen. Die einen, weil sie sich davon Gewinne versprechen, die anderen, weil sie sich als Politiker mit einem solchen Prestigeprojekt ein Denkmal setzen möchten.
Deshalb verteidigt eine Allianz aus Politik und Wirtschaft mit der ihr gegebenen Macht ihre gleichlaufenden Interessen und will keine Argumente oder Warnungen mehr gelten lassen, auch wenn sie von renommierten Gutachtern kommen. Es handelt sich also nicht um einige ewig gestrige, die immer und
gegen alles protestieren, wie behauptet wird. Und deshalb der Streit und die Wut bei vielen Bürgern, weil man versucht, das Ganze als einmalige Chance für Stuttgart darzustellen, ohne Kosten und Nutzen vor einer endgültigen Festlegung noch einmal gegeneinander abzuwägen, ja sogar, hinsichtlich der Kosten, offensichtliche Desinformation betreibt. Hinzu kommt, wie man, mit höchst zweifelhaften juristischen Finessen, den Bürgern praktisch ihr Recht verweigert, in einer so wichtigen Angelegenheit mitzureden, wo man doch ansonsten ständig um mehr Bürgerbeteiligung wirbt.
Auch der Eindruck, der unterirdische Bahnhof sei quasi zwingende Voraussetzung für die Schnellbahntrasse, und es gäbe dazu keine Alternative, ist eine Täuschung. Tatsache ist doch, dass die Züge, die auf der neuen Trasse einmal fahren sollen, auch heute schon im bestehenden Kopfbahnhof verkehren.
Die unredliche Argumentation der S21-Befürworter, vor allem die aktuellen Äußerungen zu den jüngsten Sachverständigengutachten der Gegner, wie auch die Äußerungen von MP Oettinger über eine angebliche Preissteigerungsrate von nur 1,5 %, sind letztlich eine Beleidigung der Intelligenz engagierter Bürger. Deshalb sollte sich der Verfasser nicht über die heftige Gegenwehr beschweren sondern, mit seiner moralischen Autorität, lieber seinen Freunden raten, den verfahrenen Karren S21 aufzugeben und den Frieden in der Stadt und dem Land wieder herzustellen indem man gemeinsam mit den wirklichen Fachleuten nach einer konsensfähigen Alternative sucht. S21 findet nicht deshalb bei der Mehrheit der Bürger keine Akzeptanz, weil die Menschen zu dumm sind, die Vorteile zu erkennen, sondern deshalb, weil das Projekt so viele gravierende Mängel hat. Deshalb, Herr Rommel, Politiker an ihre Verantwortung erinnern, statt Bürgerschelte betreiben!
Leserbrief vom 26.8.2008 an die Stuttgarter Nachrichten

