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29.08.2008 11:26 Alter: 5 Jahre

Stuttgart 21: Ein Teures Projekt ohne Nutzen

Von: Rudolf Röder

Die DB und die Politiker in Stadt und Land halten sich für Stuttgart 21 (S 21) gegenseitig im Griff. Die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg versuchen durch die Übernahme von riesigen Kostenanteilen die DB für das Vorhaben S 21 bei der Stange zu halten, obwohl schon Ende der 90er Jahre die DB das Projekt S 21 wegen Unwirtschaftlichkeit unter Bahnchef Johannes Ludewig zu den Akten legte.

Die Gründe für dieses Handeln, haben nur ein Motiv: Die Spekulation auf die Grundstücke, die durch den Abbau des Gleisvorfelds nach Ende der Bauzeit von S 21 frei werden. Daher sitzen im Unterstützerkreis u.a. die LBBW (OB Schuster und MP Oettinger sitzen im Aufsichtsrat), die IHK, das Beratungsunternehmen Drees & Sommer und die Fa. Herrenknecht (größter Hersteller von Tunnelbohrmaschinen). Die Politik ist offensichtlich nicht dem Wohle des Volkes verpflichtet (Amtseid), sondern dem Wohle der Banken, Spekulanten und der Bauwirtschaft mit ihren Zulieferern.

Dass das Projekt für den Verkehr mehr Schaden verursacht als Nutzen bringt, wird billigend in Kauf genommen. Bei den Fahrzeiten wird in den Verlautbarungen der S 21-Befürworter die Fahrzeitengewinne der Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm hinzugerechnet. Die Bahn prognostiziert höhere Leistungsfähigkeit des achtgleisigen Durchgangsbahnhofes mit seinen vier Bahnsteigen, als sie der sechzehngleisige Kopfbahnhof mit seinen acht Bahnsteigen vermag. Diese Leistungsfähigkeit wird nur erreicht durch Haltezeiten von einer Minute für Regionalzüge und von zwei Minuten für die ICE (Rechnersimulation der Uni Stuttgart). Hinzu kommt, dass bei S 21 die Bahnsteige bis zu einem Meter von der Sicherheitslinie entfernt mit mächtigen Pfeilern, Roll- und sonstigen Treppen gut "möbiliert" sind. Dass dadurch die Verkehrsströme der Reisenden extrem behindert sein werden, bei doppeltem Durchsatz an Zügen gegenüber dem Kopfbahnhof, stört die Herren nicht. Sie verstecken sich hinter der DB, indem immer wieder betont wird, dass das ein Projekt der Bahn sei und nicht des Landes oder der Stadt. Darauf hätten sie keinen Einfluss! Für was brauchen wir die Herren dann? Zum Geld verschwenden sicher nicht! Die Politik kann nur mangels eigenem Sachverstand die Argumente der DB übernehmen, diese sich zu eigen machen und gebetsmühlenartig absondern in immer mehr Info-Ständen in Stuttgart. "Die Argumente für S 21 werden nicht besser, indem man sie ständig wiederholt."

Neben den Verkehrsbeeinträchtigungen im Regionalverkehr ist zu erwarten, dass durch S 21 mit der Bebauung des Gleisgeländes das Stadtklima, die Belüftung des Talkessels, die Mineralquellen, der mittlere Schlossgarten und der unter Denkmalschutz stehende Bahnhof ("Europas letzte Verkehrskathedrale" Stgt.-Ztg. vom 12.08.08) und das Gebäude der ehemaligen Bundesbahndirektion Stuttgart erheblich geschädigt oder zerstört werden. Selbst der Turm des Hauptbahnhofs ist in Gefahr! Dieser in Sumpf gebaut, steht auf nahezu 300 Eichenpfählen. Was mit diesen bei der Absenkung des Grundwasserspiegels zum Bau des Tiefbahnhofs passiert, verrät kein Mensch.

Ein Aufwand für 74 km Tunnelröhren, drei neuen Bahnhöfen, einer neuen unterirdischen Stadtbahn-Haltestelle und umfangreichen Tunnelumbauten für die Stadtbahn, die sich sonst mit den Gleisen von S 21 höhengleich treffen würden, für Baukosten zwischen 6 und nahezu 9 Milliarden Euro aus Steuergeldern zu finanzieren ist Wahnsinn und nur mit dem Starrsinn der politischen Akteure zu begründen. An reiner Fahrzeit bringt S 21 höchstens 3 Minuten aber ein Integraler Taktfahrplan wird für immer verbaut, was lange Wartezeiten auf Anschlusszüge verursacht. Die Folgen für das Wahnsinnsprojekt müssen wir alle bezahlen, die Baukosten und in Folge die dadurch verursachten teuren Trassengebühren; wir d.h. hauptsächlich die Bürger Baden-Württembergs. Das karikiert "verantwortungsvolle Politik zum Wohle des Volkes".

Im Übrigen ist die Sanierung des Kopfbahnhofs bereits bezahlt; durch die Mittel in Milliardenhöhe, mit denen der Bund der Bahn den Netzunterhalt und die Pflege der Bahnhöfe finanziert. Nur hat die Bahn die Mittel anderweitig verbraucht. Das darf aber nicht zum weiteren Problem der Steuerzahler werden.

Leserbrief vom 29.8.2008 an den Eisenbahn-Kurier