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Tu felix Lipsia – Glückliches Leipzig
Die beiden pünktlichsten Großstadtbahnhöfe Deutschlands sind Kopfbahnhöfe. Das hat die Stiftung Warentest herausgefunden (test 2/2008). Immerhin noch 16 Prozent der Züge im Kopfbahnhof Leipzig sind verspätet. In Stuttgart, dem zweitpünktlichsten Großstadtbahnhof, sind es sogar 23 Prozent.
Deshalb wollen die Kritiker von Stuttgart 21 ja diesen Kopfbahnhof um ein fünftes und sechstes Gleis zwischen Hauptbahnhof und Bad Cannstatt verbessern. Zum Vergleich: Die von den Stuttgart 21-Befürwortern hochgelobten Durchgangsbahnhöfe in Mannheim, Hannover und Berlin haben noch schlechtere Werte als Stuttgart. Schlusslicht ist der Durchgangsbahnhof in Köln mit 36 Prozent.
Festzuhalten ist, dass die meisten Verspätungen auf der Strecke entstehen, z.B. durch Brände, technische Probleme und Selbstmorde. Entscheidend ist, wie diese Verspätungen aufgrund der bestehenden Fahrpläne wieder egalisiert und wie sie in den Bahnhöfen "verarbeitet" werden können. Enge Zeitpläne, "Minutenschinderei" auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken statt eines Integralen Taktfahrplanes (ITF) und Bahnhöfe, deren Gleisvorfelder Fahrwegausschlüsse produzieren und keinen ITF ermöglichen, potenzieren diese Verspätungen und geben sie ins Bahnnetz weiter.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass die schweizerische SBB – im Gegensatz zur Deutschen Bahn – bis zu 88 Prozent der Züge auf die Minute pünktlich und nur 3 Prozent der Züge eine Verspätung von mehr als 3 Minuten hatten: Die SBB praktiziert eben den integralen Taktfahrplan schweizweit und gestaltet wichtige Bahnknoten als ITF-Vollknoten. Den Wichtigsten, nämlich Zürich baute sie als Kopfbahnhof aus. Niemand in der Schweiz käme auf die Idee, den Züricher Bahnhof unter die Erde zu legen. Auch in Leipzig wurde dieser Kopfbahnhof erst vor einigen Jahren modernisiert. Entscheidend für die Bahnkunden ist, dass Sie ihre Anschlusszüge erreichen und hier haben Kopfbahnhöfe einen klaren Systemvorteil.
In Stuttgart dagegen will man mit Stuttgart 21 die Kapazität des bestehenden Kopfbahnhofes verringern. "Jede Verspätung im Netz vor Stuttgart", so Gangolf Stocker, Sprecher der Initiative "Leben in Stuttgart ? kein Stuttgart 21", "würde daher im Stuttgarter Knoten zum Stau führen und die Verspätung auf den Regionalverkehr übertragen. Die Züge könnten dann nur hintereinander in diesen Bahnhof einfahren, und nicht, wie heute auf drei Ebenen einfahrend auf die 16 Gleise verteilt werden; ein Integraler Taktverkehrsknoten wäre mit Stuttgart 21 für alle Zeiten zerstört und verbaut", so Stocker.
Ulrich Fröhner, Vorsitzender des BUND-Regionalverbandes fügt hinzu: "Die Leipziger haben nicht nur ihren Kopfbahnhof erhalten und renoviert und nunmehr den pünktlichsten Hauptbahnhof einer deutschen Großstadt. Sie durften am Sonntag auch einen Bürgerentscheid durchführen. Und der Leipziger Oberbürgermeister – obwohl sich der Bürgerentscheid gegen seine Politik richtete – gratulierte seinen Bürgerinnen und Bürgern sogar noch zum Erfolg des Bürgerentscheids. Glückliches Leipzig!", sagt Fröhner.

