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25.08.2010 12:23 Alter: 3 Jahre

Stuttgart 21 schadet dem Wirtschaftsstandort - Tiefbahnhof ist nicht zukunftsfähig

Von: PRO BAHN

PRO BAHN zur Erweiterbarkeit des Tiefbahnhofs

Das Projekt S21 wird von seinen Befürwortern gerne als demokratisch legitimiert dargestellt, gegen das deshalb kein weiterer Protest mehr zulässig sei. Nun kommt aber schrittweise ans Licht, wie diese demokratischen Beschlüsse zustande kamen. Mit Tricks und Halbwahrheiten wurden Bürger und Politiker gezielt getäuscht, um ein Projekt durchzusetzen, das weder zukunftsträchtig noch wirtschaftlich ist und der Region mehr schadet als nützt.

Nach dem Bekanntwerden der sma-Studie, die Engpässe und Schwachstellen des Projekts aufdeckte, wurde nun bei der Vorstellung der überarbeiteten Bahnhofspläne von Herrn Ingenhoven bekannt, dass der Bahnhof für ein knappes Jahrhundert überhaupt nicht mehr veränderbar sein wird und somit nicht wesentlich mehr Züge verkehren könnten, selbst wenn die Zulaufstrecken ausgebaut würden.

Damit fehlt dem Bahnhof eine entscheidende Eigenschaft, nämlich die Zukunftsfähigkeit, denn mittlerweile wird angesichts des Klimawandel und des bevorstehenden Rückgangs der weltweiten Ölförderung immer deutlicher, dass im Verkehr ein Paradigmenwechsel stattfinden muss, bei dem vor allem die Bahn wesentlich höhere Verkehrsanteile übernehmen muss.  Das Europäische Parlament hat die Zeichen der Zeit erkannt und fordert in einer Entschließung vom 6. Juli 2010 zu einer nachhaltigen Zukunft für den Verkehr [1] bis zum Jahr 2020 eine Verdoppelung der Nutzung von Bussen und Bahnen.

Jahrelang haben die Planer von DB Projektbau auf die Bedenken von Verkehrsexperten und Vertretern des Fahrgastverbands PRO BAHN entgegnet, dass der neue Tiefbahnhof auch zukünftige Fahrgaststeigerungen aufnehmen könne und dass bei Erreichen der Kapazitätsgrenze des Bahnhofs ein Ausbau um weiter zwei Gleise auf zehn Gleise möglich wäre. Nun äußerte sich jedoch der Chef von DB Station & Service, André Zeug, am 23.8.10 zu einer nachträglichen Erweiterung des Tiefbahnhofs von acht auf zehn Gleise:  "Das bietet sich in den nächsten 50 bis 80 Jahren nicht an und ist auch planerisch nicht möglich." (StZ vom 24.8.10)

Sabine Lacher vom Fahrgastverband PRO BAHN meint dazu: " Damit wird nun deutlich, dass entgegen den Versprechungen der DB erst der Nachfolger des Tiefbahnhofs im 22. Jahrhundert erweitert werden kann und dass die Vorgaben des Planfeststellungsbeschlusses ignoriert werden." Dieser fordert, dass eine Erweiterung der Bahnsteiggleisanlage auf 10 Gleise nicht ausgeschlossen werden sollte. [2]

Dort heißt es weiter: "Die grundsätzliche Möglichkeit, den Bahnhof auf 10 Gleise zu erweitern ... wurde von der Vorhabenträgerin (der DB AG) im Erörterungstermin anhand von Planskizzen konkret vorgestellt. Dabei geht eine Möglichkeit davon aus, dass der Trog durchbrochen wird, eine andere führt die Gleise am Trog vorbei. Beide Varianten sind technisch aufwändig aber grundsätzlich machbar."

Sabine Lacher warnt deshalb: "Trotz eines Milliardenbudgets wird hier eine Sparlösung verwirklicht, mit der sich die Region Stuttgart buchstäblich ihre Zukunft verbauen würde."

PRO BAHN fordert daher eine sofortige Einstellung der Bauarbeiten und eine unabhängige Untersuchung der tatsächlichen Leistungsfähigkeit des Tiefbahnhofs bevor auf Jahrzehnte ein Engpass auf einer wichtigen europäischen Magistrale entsteht.