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Stuttgart 21 – Laternen-Demonstration
Redebeitrag von Gerhard Pfeifer
Liebe Freunde des Kopfbahnhofes,
in dem aktuellen Brief von OB Schuster, der an alle Haushalte in Stuttgart für 60.000 Euro versandt wurde, steht das Stuttgart 21 ein grünes Projekt sei. Die Umwelt würde entlastet, die Mineralquellen würden nicht beeinträchtigt und das Stadtklima im empfindlichen Talkessel dank der neuen Parkanlagen nachhaltig verbessert. Fakt jedoch ist: Große Teile des Mittleren und Oberen Schlossgartens, der grünen Oase der Innenstadt, werden durch den Kellerbahnhof Stuttgart 21 zerstört. Über 250 Großbäume müssen gefällt werden. Diese Bäume, die zum Teil über 150 Jahre alt sind, müssten aufgrund ihrer Leistungen für die Innenstadt eigentlich mit Gold aufgewogen werden. Denn ein Großbaum produziert ca. 9.000 Liter Sauerstoff pro Tag, kühlt die unmittelbare Umgebung bis zu 3 Grad C ab und bindet bis zu 1000 kg Feinstaub pro Jahr. Die Feinstaubwerte und die Erwärmung im Talkessel wären noch viel höher ohne die Parkbäume des Schlossgartens. Über die gesamte Bauzeit von ca. 10 Jahren muss der Grundwasserspiegel im Schlossgarten abgesenkt werden. Dadurch drohen die Bäume des Unteren Schlossgartens, die jetzt schon unter Wassermangel leiden, zu vertrocknen. Die bei Stuttgart 21 geplanten Parkerweiterungen im Bereich des heutigen Abstellbahnhofes sind nur Alibi für die massiven Eingriffe und bringen auch für die Naherholungssuchende nur wenig, da sie weit ab vom Schuss sind. Die Fällung eines hundertjährigen Baumes ist durch die Pflanzung eines Jungbaumes niemals ausgeglichen. Stuttgart 21 ist daher nie und nimmer ein grünes Projekt, sondern ein Schlossgarten-Killer! Das Stadtklima wird auch durch die geplante massive Überbauung des jetzigen Gleisvorfeldes und durch den Querriegel des nur zum Teil eingesenkten Kellerbahnhofes beeinträchtigt. Der nächtliche Frischluftstrom, der von Kaltental kommend bis nach Bad Cannstatt entlang zieht, wird dadurch behindert und gebremst. Die Luft in der Innenstadt wird noch schlechter und wärmer. Stuttgart 21 lässt und daher im Sommer noch mehr schwitzen und nimmt uns saubere Luft zum atmen! Bei Stuttgart 21 sollen insgesamt 60 Km Tunnelröhren gebaut werden. Bei den Tunnelbauern gilt trotz umfangreicher Probebohrungen immer noch der Spruch: ?Hinter der Hacke kommt das Dunkle?. Dies gilt umso mehr für Stuttgart 21, denn der Boden auf dem wir stehen ändert seine Zusammensetzung auf wenigen Metern wie ein Flickenteppich. Die Planer von Stuttgart 21 räumen auch ein eindeutiges Rest-Risiko hinsichtlich Gefährdung der Mineralwasserquellen ein. Diese Quellen sind ein einzigartiger Naturschatz und sollten ausnahmslos geschützt werden. Bis heute ist nicht geklärt, wer bei einem Versiegen der Mineralwasserquellen haftet: Ist es Herr Mehdorn, Herr Tiefensee, Herr Oettinger oder OB Schuster? Sollte diese Katastrophe beim Bau von Stuttgart 21 im Jahre 2016/2017 oder später eintreffen, sind die genannten Personen alle im Ruhestand und können dann nicht mehr zur Verantwortung heran gezogen werden. Stuttgart 21 ist und bleibt ein Projekt, bei dem ökologische und tatsächliche Kosten sozialisiert und Gewinne privatisiert werden. Bester Beweis dafür ist die offizielle Unterstützerliste von Stuttgart 21. Zum Beispiel: Herrenknecht AG ? weltweit führende Hersteller von Tunnelbohrmaschinen ?, Großbaufimen wie Bilfinger&Berger und Züblin AG, zahlreiche Banken wie Landesbank und Deutsche Bank, die das große Immobiliengeschäft wittern. Zum Schluss noch ein Beispiel wie Stuttgart 21 auf Biegen und Brechen durchgeboxt werden soll: Der frühere Privateigentümer des Mineralbades Berges hat vor ca. 4 Jahren Klage gegen Stuttgart 21 eingereicht. Die Aussichten standen sehr gut, da seine Klage auf dem Punkt "Existenzgefährdung durch Schüttungsrückgang der Quellen" gründete. Um Stuttgart 21 nicht zu gefährden kaufte die Stadt Stuttgart flugs das Mineralbad Berg zu einem weit überhöhten Preis von 8,3 Mio Euro vom Kläger ab. Die Klage war somit hinfällig und das Genehmigungsverfahren konnte durchgezogen werden. Liebe Freunde, Stuttgart 21 ist kein grünes Projekt sondern ein Profitprojekt ohne Rücksicht auf die Umwelt und ohne Rücksicht auf solide Haushalte. Wir Bürger sollten es endlich stoppen!

